Medikamente richtig einnehmen: alles was Sie wissen müssen
22.08.2025 / Stefan Dobersberger
Die richtige Einnahme von Medikamenten ist entscheidend für ihre Wirksamkeit. Ob Tabletten, Tropfen, Salben oder Sprays – jede Form hat ihre Vorteile. Die Wahl hängt davon ab, wo, wie schnell und wie lange der Wirkstoff wirken soll.
Applikation von Arzneimitteln: Anwendungs- und Darreichungsformen
Die Applikation beschreibt, wie ein Arzneimittel in den Körper gelangt:
- Lokal: Das Medikament wirkt direkt am Anwendungsort, z. B. Salben auf der Haut.
- Systemisch: Der Wirkstoff gelangt über den Blutkreislauf in den gesamten Körper, z. B. Tabletten oder Injektionen.
Die gängigsten Einnahmearten
- Oral / peroral: Einnahme über den Mund, meist systemisch, z. B. Tabletten, Kapseln oder Brausegranulate
- Parenteral: Umgeht den Darm, z. B. intravenös, intramuskulär oder subkutan
- Sublingual / buccal: Resorption über die Mundschleimhaut, z. B. unter der Zunge oder in der Wangentasche
- Nasal, aural, inhalativ: Aufnahme über Nase, Ohr oder Lunge
- Rektal / vaginal: Einbringen in Enddarm oder Vagina
- Transdermal / kutan: Aufnahme über die Haut, z. B. Pflaster
Darreichungsformen – wie Medikamente verabreicht werden
Die Darreichungsform hängt davon ab, welche Wirkung erreicht werden soll und wie der Wirkstoff im Körper am besten aufgenommen wird.
- Fest: Tabletten, Kapseln, Dragees, Pulver, Granulate
- Flüssig: Lösungen, Suspensionen, Emulsionen, Tinkturen, Säfte, Infusions- und Injektionslösungen
- Halbfest: Salben, Cremes, Gele, Zäpfchen
- Andere: Pflaster, Sprays, Schäume, Dosieraerosole, Inhalationspulver, wirkstoffhaltige Kaugummis, Implantate
Herausforderungen beim Schlucken von Tabletten und Kapseln
Für viele Menschen ist das Schlucken von Tabletten oder Kapseln eine Herausforderung – nicht nur für Kinder oder Patienten mit Schluckbeschwerden. Etwa ein Drittel aller Menschen hat grundsätzlich Schwierigkeiten, Tabletten einzunehmen, was dazu führen kann, dass Medikamente nur unvollständig oder gar nicht eingenommen werden und der Therapieerfolg leidet.
Wenn Patientinnen und Patienten umgekehrt versuchen, sich selbst zu helfen und eine Tablette zu zerkleinern, diese in Flüssigkeit oder im Essen aufzulösen, ist die Gefahr groß, dass dadurch die Wirksamkeit des Medikaments stark beeinflusst wird. Generell sollten Sie bei andauernden Problemen mit der Medikamenteneinnahme in Ihrer Arztpraxis oder in Ihrer Apotheke um Rat fragen.
Was kann helfen?
- Nehmen Sie Medikamente in aufrechter Körperhaltung ein.
- Tabletten dürfen nur geteilt werden, wenn sie eine Kerbe haben. Wenn nicht, müssen sie im Ganzen geschluckt werden.
- Um die Gleitfähigkeit zu verbessern, können Tabletten und Kapseln mit Apfelmus eingenommen werden.
- Viele Arzneimittel gibt es auch in flüssiger Form, als Direktgranulat oder als Schmelztablette. Wir beraten Sie gerne zu möglichen Alternativen.
Kann ich eine Tablette teilen?
Viele Tabletten können oder sollen sogar geteilt werden – entweder für eine erleichterte Einnahme oder etwa zur Dosishalbierung für bestimmte Therapieschemata. Achten Sie – insbesondere bei großen Tabletten – auf Bruchrillen, welche auf einer oder beiden Seiten der Tablettenoberflächen eingekerbt sind. Tabletten können eine oder auch mehrere Bruchkerben aufweisen. Abhängig von der Form der Tablette und Bruchrille gibt es verschiedene Techniken, die ein besonders leichtes Teilen der Tablette ermöglichen.
Kapseln sind grundsätzlich nicht zum Teilen gedacht. In Ausnahmefällen kann die Kapselhülle jedoch vorsichtig geöffnet werden, um die Einnahme zu erleichtern. Kapseln bestehen aus zwei ineinandergesteckten Teilen, die durch vorsichtiges Drehen und Ziehen getrennt werden können. Der Inhalt – Pulver, Granulat oder Mikrotabletten – kann dann ohne Hülle eingenommen werden. Achten Sie darauf, dass nichts verschüttet wird und der gesamte Inhalt aufgenommen wird. Ein leichtes Aufklopfen der Kapsel kann helfen, das Pulver zu sammeln. Granulat oder Mikrotabletten dürfen nicht zerrieben oder zerkaut werden, da dies die Wirkung verändern kann.
Welche Flüssigkeiten zur Einnahme?
Gewöhnliches Leitungswasser eignet sich am besten zum Schlucken von Medikamenten. Als Alternative kann auch stilles Mineralwasser verwendet werden.
Vermeiden Sie:
- Alkohol: Die gleichzeitige Einnahme von Alkohol und Medikamenten ist nicht empfehlenswert. Alkohol kann die Aufnahme und Wirkung von Arzneimitteln beeinträchtigen und belastet zusätzlich die Leber, da viele Medikamente ebenfalls über die Leber abgebaut werden.
- Kaffe, Milch: Von Getränken wie Kaffee und Milch zur Medikamenteneinnahme ist abzuraten, da es in einigen Fällen – allerdings nicht prinzipiell – zu Wechselwirkungen mit Medikamenten kommen kann. In bestimmten Fällen können Kaffee und/oder Milch die Wirksamkeit von Arzneimitteln vermindern.
- Grapefruit: Auch Grapefruitsaft sollte nicht verwendet werden, da er die Wirkung von verschiedenen Medikamenten verstärken oder abschwächen kann.
Verschiedene Darreichungsformen: was ist zu beachten?
Brausetabletten
Vitamine, Mineralstoffe und manche Medikamente gibt es als Brausetabletten. Lösen Sie die Tablette am besten in einem Glas kaltem oder lauwarmem Wasser auf – heiße Getränke vermeiden. Trinken Sie die Lösung direkt und lassen Sie sie nicht lange im Tageslicht stehen.
Pulver in Beuteln
Bei Arzneipulvern ist die richtige Anwendung wichtig. Manche Pulver können direkt auf die Zunge gestreut und geschluckt werden; ein Glas Wasser danach kann die Aufnahme erleichtern, ist aber nicht zwingend. Andere Pulver müssen in kaltem oder höchstens lauwarmem Wasser aufgelöst und gut umgerührt werden. Hinweise zur Einnahme finden Sie auch auf der Verpackung oder im Beipackzettel.
Tropfen zum Einnehmen
Bei Tropfen zum Einnehmen ist vor allem die richtige Dosierung entscheidend. Viele Tropflösungen haben einen Zentraltropfer und müssen senkrecht gehalten werden. Wird das Fläschchen schräg gehalten, sind die Tropfen kleiner und die Dosis stimmt nicht mehr.
Wenn keine Tropfen kommen, kann das Belüftungsröhrchen verstopft sein. Vorsichtiges Tippen auf den Flaschenboden oder leichtes Aufklopfen auf eine feste Unterlage löst das Problem meist.
Augentropfen
- Kontaktlinsen entfernen und Hände gründlich waschen.
- Bequem hinsetzen oder hinsetzen. Kappe der Flasche abdrehen.
- Unteres Augenlid vorsichtig nach unten ziehen, Blick nach oben richten.
- Tropfspitze nahe ans Auge führen, nicht das Auge berühren.
- Flasche senkrecht halten und vorsichtig einen Tropfen in den Bindehautsack geben.
- Unteres Augenlid loslassen und 1 Minute lang den nasenseitigen Augenwinkel leicht drücken, Augen geschlossen halten.
- Bei Bedarf am anderen Auge wiederholen.
- Flasche verschließen.
Nasenspray
- In aufrechter Haltung die Sprühöffnung ausreichend tief (ca. 1cm) in ein Nasenloch einführen
- Beim Sprühstoß gleichmäßig über die Nase einatmen
- Über den Mund ausatmen
- Vorgang für das zweite Nasenloch wiederholen
Medikamente und Mahlzeiten
- Unabhängig von Mahlzeiten
Viele Medikamente können ohne Rücksicht auf Essen eingenommen werden. Sie finden dazu im Beipackzettel meist den Hinweis: „… kann unabhängig von Mahlzeiten eingenommen werden.“ - Vor dem Essen
Das Medikament sollte spätestens eine Stunde vor der nächsten Mahlzeit eingenommen werden – auch Snacks zählen dazu. Nur so ist sichergestellt, dass keine Wechselwirkungen mit Nahrungsbestandteilen auftreten. - Zur Mahlzeit
Manche Medikamente werden während des Essens eingenommen. Ob zu Beginn oder am Ende der Mahlzeit, ist dabei meist egal. - Nach dem Essen
Hier gilt: Einnahme etwa zwei Stunden nach der letzten Mahlzeit, wenn die Verdauung bereits weit fortgeschritten ist und das Medikament ungestört wirken kann.
Pünktlichkeit ist wichtig
Der Einnahmezeitpunkt sorgt dafür, dass die Wirkstoffspiegel im Körper gleichmäßig bleiben.
- Einmal täglich: Einnahme alle 24 Stunden, möglichst immer zur gleichen Uhrzeit. Zwei Stunden früher oder später sind in der Regel unproblematisch. Manche Präparate müssen jedoch morgens nüchtern eingenommen werden.
- Zweimal täglich: Einnahme im Abstand von etwa 12 Stunden.
- Dreimal täglich: Einnahme im Abstand von etwa 8 Stunden.