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Sonnenschutz ist Gesundheitsschutz

Lassen Sie sich von Ihrem Apotheker beraten!

„Das Essen war gut, der Strand ein Traum, aber einen solchen Sonnenbrand haben wir uns ­geholt.“ Urlaubserzählungen enden leider häufig mit diesem Satz. Wir tragen immer wieder, vor allem im Sommer, unsere Haut im wahrsten ­Sinne des Wortes zu Markte.
 
Unbestritten sind die zahlreichen positiven Effekte von Sonnenlicht auf unseren Körper: von der essenziellen Vitamin D-Produktion, die in der Haut unter Sonneneinwirkung abläuft, über den ­therapeutischen Einsatz von UV-Licht z.B. bei Psoriasis, Ekzemen, Juckreiz oder Weißfleckenkrankheit, bis hin zur günstigen Beeinflussung der Psyche im Falle eines »Winterblues«.
Unbestritten sind aber auch die Folgen jahrelanger ungeschützter Sonnenexposition – allen voran verschiedene Formen von Hautkrebs sowie Hautalterung. Da sie jedoch, im Gegensatz zu Akutsymptomen wie Sonnenbrand und Überempfindlichkeitsreaktionen, erst nach Jahrzehnten auftreten, werden sie vielfach unterschätzt.

Beim Eincremen beachten

  •  Sonnenschutzprodukte 15 bis 30 Minuten vor dem Sonnenbad großzügig (!) auftragen und zwar vor den üblichen Pflegeprodukten. Nicht vergessen: Nacken, Ohren, Lippen und Fußsohlen.
  •  Das Eincremen mehrmals täglich wiederholen, v.a. nach dem Schwimmen und Duschen und nach sportlicher Aktivität. Nachcremen erhält den Schutz, verlängert ihn aber nicht!
  •  Je heller der Hauttyp und je länger und intensiver die Sonneneinstrahlung – reflektierende Flächen, Mittagssonne, Meer, große Höhen etc. berücksichtigen –, desto höher muss der LSF sein.
  •  Andere Schutzmaßnahmen (Kleidung, Sonnenschirm) nicht vernachlässigen.
Sonnenbrand

Verursacht wird ein Sonnenbrand durch Ultraviolett-Anteile in der Sonnen­strahlung, wenn ihr die Haut längere Zeit ungeschützt ausgesetzt ist. Die Strahlen ­dringen in die Haut ein und ­schädigen dort das Zellgewebe, was zu einer lokalen Entzündungsreaktion führt. Es kommt zu einer Erweiterung der Gefäße und in der Folge zur Rotfärbung der Haut, zu erhöhter Durchblutung ­(Erwärmung) und Austritt von Flüssigkeit in das Gewebe (Blasenbildung).
(wikipaedia). © comosaydice

Das passiert bei Sonneneinstrahlung
Die Zellen der Epidermis werden in deren unterster Schicht, der ­Basalschicht, gebildet. Hier können UV-bedingte Mutationen viele Jahre später zu Tumoren führen. Als Schutzmechanismus bilden die Melanozyten das Pigment Melanin, das sie an die umliegenden ­Zellen abgeben und das die empfindlichen Zellteilungsvorgänge vor schädlichem UV-Licht schützt. Verstärkte Bestrahlung beschleunigt die Melaninbildung, die für die Hautbräunung »zuständig« ist. ­Weitere Eigenschutzmechanismen der Haut sind die Bildung von Lichtschwielen in Form von Epidermisverdickungen sowie DNA-Reparaturmechanismen.
UVA führt zu einer kurzfristigen Bräunung, aber kaum zu Lichtschutz. Durch Kollagenschädigung und Austrocknung ist UVA für Elastizitätsverlust und frühzeitige Hautalterung verantwortlich, daneben auch für Lichtdermatosen und Phototoxizität. UVB bewirkt nach ca. 72 Stunden eine lang anhaltende Bräunung und einen gewissen Sonnenschutz. Durch Schädigung der DNA löst UVB Sonnenbrand und bei häufiger Exposition Hautkrebs aus.
Daneben führt UV-Licht auch zu einer Immunsuppression, also zu ­einer Schwächung des Immunsystems: Die so genannten Langerhans-Zellen in der Haut, die ersten Vorposten des Immunsystems zur Erreger- und Tumorabwehr, werden geschädigt, was wiederum die Tumorentstehung begünstigt.
Auch durch UV-bedingte Aktivierung von O2 zu reaktiven Sauerstoffspezies entstehen Schäden im Gewebe.

Sonnenschutz

Der UVB-Schutz von Sonnenprodukten wird durch den standardisierten LSF (Lichtschutzfaktor), englisch SPF (sun protection factor) angegeben. Der LSF gibt an, um welchen Faktor die Eigenschutzzeit verlängert wird. Im Bezug auf Angaben zum UVA-Schutz von ­Produkten brachte die Einführung des UVA-Zeichens eine deutliche Verbesserung. Das Zeichen garantiert, dass der UVA-Schutz min­destens ein Drittel des angegebenen LSF beträgt.
Der LSF bezieht sich nur auf Schutz vor Sonnenbrand und nicht auf andere UV-bedingte Schäden!

Das richtige Produkt
Einerseits muss, wie erwähnt, der LSF auf den Hauttyp abgestimmt sein. Zu bevorzugen, gerade für Wassersportaktivitäten, sind wasserfeste Mittel. Zu berücksichtigen ist dabei der Abrieb durch Kleidung und Abtrocknen sowie Verluste durch Schwitzen und langes Baden. Oft bestehen individuelle Vorlieben für Gel, Creme oder Spray, die auch auf den Hauttyp – trocken oder fett – abgestimmt sein sollten. Hochwertige Sonnenschutzmittel liefern zusätzlich hautpflegende, feucht haltende Inhaltsstoffe.
Für besonders empfindliche (Kinder-) Haut eignen sich minera­lische Filter (Titanoxid, Zinkoxid), die, im Gegensatz zu den absorbierenden chemischen Filtern, die UV-Strahlung reflektieren. Bei Kindern ist hoher Sonnenschutz ein Muss. Die Eigenschutzzeit beträgt nur fünf bis zehn Minuten und Lichtschäden summieren sich im Laufe des Lebens!
Die viel beklagte »Sonnenallergie« (Mallorca Akne, polymorphe Lichtdermatose) mit juckenden, nässenden Erythemen, Bläschen oder ­Knötchen v.a. im Halsausschnitt und Schulterbereich tritt meist im ­Frühjahr nach dem ersten Sonnenkontakt auf. Guter UVA- und UVB-Schutz, langsames Gewöhnen an die Sonne und möglichst einfach zusammengesetzte Produkte – fett- und emulgatorfreie Gels, duftstofffreie Zubereitungen – sind hier empfehlenswert.
Innovativ sind Präparate, die zusätzlich noch DNA-Reparaturenzyme enthalten. Darüber hinaus informiert Sie Ihr Apotheker gerne zum Thema »Sonnenschutz zum Einnehmen«.

   Hauttyp 1  
Hauttyp I – keltischer Typ
Charakteristika: sehr helle Haut, rötliches oder hellblondes Haar, blaue, grüne oder hellgraue Augen, Sommersprossen
Sonnenbrand:
sehr häufig
Eigenschutzzeit:
3 bis 10 Minuten

Hauttyp II – nordischer TypHauttyp 2
Charakteristika: helle Haut, blondes oder hellbraunes Haar, blaue, grüne oder graue Augen, häufig Sommersprossen
Sonnenbrand:
häufig
Eigenschutzzeit:
10 bis 20 Minuten

Hauttyp III – MischtypHauttyp 3
Charakteristika: ­mittlere Hautfarbe, meist braunes Haar, braune Augen, 80% der Menschen im deutschen Sprachraum
Sonnenbrand:
manchmal
Eigenschutzzeit:
20 bis 30 Minuten

Hauttyp IV – mediterraner TypHauttyp 4
Charakteristika: bräunliche oder olivfarbene Haut, braunes oder schwarzes Haar, braune Augen
Sonnenbrand:
selten
Eigenschutzzeit:
30 bis 60 Minuten

Hauttyp V – dunkler TypHauttyp 5
Charakteristika: dunkle Haut, oft mit grauem Unterton, schwarzes Haar, ­dunkle Augen, Menschen aus Arabien, Nordafrika und Indien
Sonnenbrand:
kaum
Eigenschutzzeit:
60 bis 90 Minuten

Hauttyp VIHauttyp 6 - schwarzer Typ
Charakteristika: dunkelbraune bis schwarze Haut, schwarzes Haar, schwarze Augen, Menschen aus Zentralafrika und Australien
Sonnenbrand:
praktisch nie
Eigenschutzzeit:
über 90 Minuten

Wer ist besonders gefährdet?
Der Wichtigkeit von Sonnenschutzmaßnahmen wird leider oft zu wenig Beachtung geschenkt. Auch beim Erstellen einer Reiseapotheke dürfen Sonnenschutzmittel nicht fehlen!
Im Sinne der Tumorprävention muss Sonnenschutz unbedingt empfohlen werden bei:
  •  Menschen mit sehr heller Haut bzw. vielen Muttermalen
  •  Kindern, da hohe Sonnenlichtexposition in der Kindheit das Melanomrisiko deutlich erhöht
  •  Melanomen in der Familie
  •  Hauttumoren wie z.B. Basaliom, aktinische Keratose, Spinaliom, Melanom in der Vorgeschichte.
Besonders gefährdet in Bezug auf Hauttumoren sind Patienten unter Immunsuppression. In einer 2-jährigen klinischen Studie mit einem Sonnenschutz mit LSF 50+ in Apothekenqualität bei Organtransplantierten konnte die Rate an verschiedenen Hautkrebsformen bei den regelmäßigen gegenüber den sporadischen Anwendern signifikant gesenkt werden.
Sehr überzeugende Argumente für konsequenten Sonnenschutz ­bieten die Charakteristika des Melanoms: hoch maligner Tumor, der auch viele junge Menschen betrifft (ca. 20% der Melanomdiagnosen bei ­unter 40-Jährigen), beängstigend ansteigende Inzidenz, oft rasches Tiefenwachstum und Metastasierung, Therapiemöglich­keiten praktisch auf Früherkennung und chirurgische Exzision ­beschränkt. Da meist lange keine Beschwerden bestehen, wird das Melanom oft erst in einem späten Stadium erkannt. Ab einer Dicke von 4mm überlebt nicht einmal mehr die Hälfte der Patienten, Fernmetastasen bedeuten praktisch immer den Tod.

Erhöhte UV-Empfindlichkeit
Auch bei der Einnahme bestimmter Arzneimittel ist Sonnenschutz unbedingt notwendig. So besteht die Gefahr für Pigmentierungsstörungen durch erhöhte UV-Empfindlichkeit beispielsweise bei ­Chinolonen, Tetracyklinen, tricyclischen Antidepressiva, Amio­daron, Hormonen (z.B. durch Pille, aber auch Schwangerschaft) etc. Bei der Einnahme solcher Präparate muss Sonne möglichst vermieden bzw. ein hoher LSF angewendet werden. Einmal entstandene Pigmentierungsstörungen stellen ein kosmetisches Problem und eine psychische Belastung für die Betroffenen dar. Sie sind therapie­resistent, Versuche mit Bleichmitteln, chemical peelings oder Laser sind meist unbefriedigend.

Die 10 Sonnenregeln
  •  Meiden der Sonne in der Mittagszeit
  •  Langsames Gewöhnen der Haut an die Sonne
  •  UV-dichte Kleidung tragen
  •  Alle unbedeckten Hautstellen mit Sonnencreme eincremen
  •  Sonnencreme mehrmals am Tag erneuern
  •  Beim Baden nur wasserfeste Sonnencremen verwenden
  •  Bei Medikamenteneinnahme auf Nebenwirkungen in Verbindung mit Sonne achten
  •  Kinder in den ersten Lebensjahren möglichst wenig der direkten Sonne aussetzen
  •  Die Haut besser nicht im Solarium vorbräunen
  •  Regelmäßige Kontrollen von Risikopersonen durch den Hautarzt
Ihr Dr. Pröll

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