So pflegen Sie Problemhaut
Seborrhoische, sebostatische und Altershaut Das primäre Ziel jeder Hautpflege ist die Erhaltung und Wiederherstellung physiologischer Hautverhältnisse und damit die Aufrechterhaltung der Schutzfunktion der Haut. Ist das sensible Gleichgewicht der Haut vor allem in Bezug auf Fett und Feuchtigkeit gestört, spricht man von Problemhaut mit allen ihren Störungen. Eine solche Problemhaut braucht eine besonders auf sie abgestimmte Pflege. Für das Erscheinungsbild der Haut und deren Schutzfunktion sind eine intakte, gleichmäßige Oberflächenstruktur, die Spannung der Haut, der Hydrolipidfilm – bestehend aus einem ausgewogenen Gleichgewicht aus Fett und Feuchtigkeit – und eine gleichmäßige Pigmentierung verantwortlich. »Problemhaut« ist ein Begriff aus der Kosmetik, dem unterschiedliche Zustandsbilder der Haut zugeordnet sind. Am häufigsten ist wohl die empfindliche Haut, gefolgt von seborrhoischer, also zu fetter Haut, mit der oft als Begleiterscheinung Akne einher geht. Auch die generell sebostatische, also zu trockene Altershaut, die im höheren Lebensalter Zeichen von Atrophie (Rückbau) mit verstärkter Neigung zu Hautblutungen zeigt, zählt zur Problemhaut. Die Haut ist mit einer Oberfläche von rund 2m² das größte Organ des Menschen, das unterschiedlichste Funktionen erfüllt. Unter anderem ist sie Kontaktorgan zur Umwelt, vermittelt Berührungsreize und reguliert den Temperatur- und Wasserhaushalt. Besondere Bedeutung hat die Epidermis. Die Epidermis ist jener Anteil der Haut, der der Pflege zugänglich ist. Die Funktionen der Epidermis sind Schutz gegen das Eindringen von Bakterien, Pilzen und anderen Erregern, die Aufrechterhaltung der Barriere und sie ist für die Durchlässigkeit verantwortlich. Zur Schutzfunktion trägt wesentlich der Hydrolipidfilm – bestehend aus Hornschicht- und Talgdrüsenlipiden sowie aus Schweiß, der die Hautoberfläche überzieht – bei. In intakter Haut benötigt die Erneuerung der obersten Hautschicht rund 30 Tage. Im Alter ist dieser Prozess bis auf 50 Tage verzögert. Die epidermale Feuchte Hydrolipidfilm, Säureschutzmantel und epidermale Feuchte (»NMF«-Natural Moisturizing Factor) sind die Voraussetzungen für eine intakte Funktion der Haut. Die Hornschichtfeuchte sorgt optisch für die Hautglätte, funktionell sind nur in feuchtem Milieu die optimalen Abläufe möglich. Cremen, die Feuchtigkeit aus der Umwelt binden, helfen, den NMF zu erhalten und unterstützen damit die normale Hautfunktion. Säureschutzmantel Ein anderer wesentlicher Faktor, den es im Normalbereich zu erhalten gilt, ist der Säureschutzmantel. Dieser liegt im leicht sauren Bereich bei pH 4 bis 6,5. In diesem Milieu bestehen ideale Bedingungen für die physiologische Hautflora und den Schutz gegen das Wachstum krankmachender Keime. Durch das Waschen mit normaler Seife kommt es zu einer Verschiebung des Haut-pHs in den alkalischen Bereich für eine halbe bis zu drei Stunden. Es empfiehlt sich deshalb, bei empfindlicher, sensibler Haut zur Reinigung Syndets zu verwenden. Die empfindliche Haut Bei empfindlicher bzw. sensibler Haut handelt es sich nicht um einen eigenen Hauttyp, sondern um einen Überbegriff für die veränderte Reaktionsbereitschaft der Haut. Zahlreiche innere wie äußere Ursachen kommen als Auslöser in Frage. Innere Ursachen - Talgdrüsendysfunktion: Fettüber- oder -unterproduktion
- Überempfindlichkeitsreaktionen
- Lokalisation: z.B. in großen Körperfalten, leicht alkalischer Haut-pH
- Lebensalter: Kleinkind oder hohes Lebensalter
Äußere Faktoren - Pflegefehler wie z.B. exzessives Waschen mit Seife oder Desinfektionsmitteln
- Umweltfaktoren wie niedrige Außentemperatur, trockene Luft, übermäßiges Sonnenbaden etc.
- In vielen Fällen besteht u.a. durch einen erhöhten Wasserverlust durch die Hautoberfläche eine Schädigung, die eine verstärkte Einwanderung irritierender bzw. schädlicher Stoffe ermöglicht.
Pflege bei empfindlicher Haut Hier gilt »zuerst einmal Schaden vermeiden«. Obwohl es selbstverständlich klingen mag, bedeutet dies konkret, dass einige Stoffe der modernen Pflegekosmetik hier kontraproduktiv sind und deshalb nicht empfohlen werden; das sind Glykolsäure- oder andere Peelings ebenso wie die gleichartigen Cremen, die sowohl als Anti-Aging-Strategien wie auch als Pflege bei Akne gerne angewendet werden. Auch retinolhältige Cremen sollten mit Vorsicht und ggf. nur in reduzierter Anwendungshäufigkeit eingesetzt werden. Das Ziel der Pflege ist der Ersatz der Hydrolipidbarriere durch fett- und feuchtigkeitsbindende Substanzen; bei der Pflege der Altershaut können z.B. beruhigende und feuchtigkeitsbindende Vitaminzusätze, eventuell auch mit antioxidativer Wirkung wie z.B. Panthenol und Tocopherol zum Einsatz kommen. Zur Reinigung empfehlen sich Syndets, bei sebostatischer, also zu trockener Haut auch Duschöle oder Ölbäder. Darüber hinaus sollte zu hypoallergenen oder allergiegetesteten Kosmetikprodukten gegriffen werden. Seborrhoe – wenn die Haut fett glänzt Die Überfunktion der Talgdrüsen kann – oft in der Pubertät durch den Anstieg der Androgene, d. s. bestimmte Hormone – und dann oft im Zusammenhang mit Akne u.a. entstehen. Kurzfristig kann auch Stress eine Seborrhoe induzieren. Aber auch Medikamente oder bestimmte Krankheitsbilder wie z.B. Morbus Parkinson, sind als Auslöser möglich. Die Problematik für die Haut liegt nicht nur im kosmetischen Bereich, da der Fettglanz der Haut ungepflegt wirkt, sondern in der veränderten Hautphysiologie. Im fettreichen Milieu kommt es zur Vermehrung von Keimen, was wiederum zu einer seborrhoischen Dermatitis mit stark irritierter Haut führen kann. Es ist deshalb wichtig, durch entsprechende Pflegeprodukte die Seborrhoe zu reduzieren und das Hautmilieu zu normalisieren. Hier kommt der Reinigung mit sebostatischen Zusätzen, die auch antibakterielle und entzündungshemmende Komponenten enthalten, eine wesentliche Bedeutung zu; das ist z.B. Zink, das antibakteriell, talgregulierend und entzündungshemmend wirkt; aus dem pflanzlichen Bereich sind u.a. Brennnesselextrakte zu nennen. Vorsicht bei der regelmäßigen Langzeitanwendung niedrig dosierter antibiotischer Substanzen; hier ist ein Wirkungsverlust als Folge der Entwicklung bakterieller Resistenzen möglich. Ihr Apotheker informiert Sie dazu gerne. Bei der Seborrhoe sind Peelings sowie auch glykolsäurehaltige Cremen – sofern die Haut nicht irritiert ist – möglich und oft berechtigt. Cremen sollen leicht und ölfrei sein. Feuchtigkeitscremen oder -lotionen sind möglich, alle fetthaltigen Produkte sind kontraproduktiv. Als Zusätze sind Retinol, Zink etc. zu empfehlen. In der Make-up-Beratung sollten Abdeckstifte vermieden, stattdessen leichte ölfreie Make-ups angewandt werden. Die Reinigung ist mit Waschgelen, Gesichtswässern, aber auch mit leichten Lotionen möglich. Altershaut – wenn die Haut austrocknet Die Alterung der Gesichtshaut wird meist begleitet von einer Sebostase, also eine Trockenheit der Haut, durch die Hautatrophie (Rückbildung) hochliegenden und durchscheinenden Gefäßen, scheckigen und unregelmäßigen Hautpigmentierungen sowie einer Dysfunktion der Haut. Antioxidantien spielen eine wesentliche Rolle in der Pflege der alternden Haut wie die Vitamine A, E, C und B. Vitamin A-Säure/Retinol regt darüber hinaus die Neubildung der Haut an und schafft damit ein gleichmäßigeres Hautbild, wovon auch leichte Überpigmentierungen profitieren. Die Reinigung der alternden Haut wird – der Sebostase Rechnung tragend – mit Gesichtsmilch oder ölhaltigen Pflegeprodukten durchgeführt. Im hohen Alter ist vor allem die talgdrüsenarme Haut der Extremitäten sehr trocken, oft eine Voraussetzung für Ekzeme an den Unterschenkelstreckseiten. Ölbadezusätze und Pflegecremen mit Zusatz von Urea, Panthenol u.a. können hier hilfreich sein. Ihr Apotheker kann – neben den qualitativ hochwertigen Apothekenprodukten – auch Cremen eigens für Ihre Bedürfnisse herstellen. Ihr Dr. Pröll
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