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Wenn der Körper »Attacke!« ruft

Allergien und Asthma  Ohne Horrorszenarien ausmalen zu wollen, können Allergien in ihren unterschiedlichen Facetten als Epidemie des 21. Jahrhunderts bezeichnet werden – eine Entwarnung ist nicht zu erwarten. „Schätzungen der European Academy of AllergolKindogy and Clinical Immunology zufolge werden bis 2015 die Hälfte aller Europäer allergiekrank sein“, so Univ.-Prof. Dr. Rudolf Valenta von der Abteilung für Immunpathologie, Christian Doppler-Labor für Allergieforschung und Zentrum für Physiologie und Pathophysiologie an der Medizinischen Universität in Wien. „Bereits heute leidet jedes dritte Kind in Europa an einer Allergie, 30 bis 50 Prozent dieser Kinder werden Schätzungen zufolge an Asthma bronchiale erkranken, denn unbehandelte Allergien gehen mit einem massiv erhöhten Asthma-Risiko einher. Früherkennung und konsequente Allergiediagnostik sind deshalb enorm wichtig“, führt Univ.-Prof. Valenta weiter aus. 
Vererbtes Allergierisiko  Trotz intensiver Forschung im Bereich der Allergien nimmt die Zahl der Betroffenen stetig zu. Ein Grund dafür liegt in den menschlichen Genen: Eltern, die selbst unter Allergien leiden, geben auch ein höheres Allergierisiko an ihre Kinder weiter. Über ein Drittel der Kinder, deren Vater oder Mutter Allergiker sind, erkrankt später ebenfalls an einer Allergie. Leiden beide Eltern unter Allergien, sind es sogar bis zu zwei Drittel der Kinder. Zum Vergleich: Nur rund jedes zehnte Kind mit gesunden Eltern bekommt im Laufe seines Lebens eine Allergie. Die betroffenen Kinder erben von ihren Eltern dabei nicht etwa eine spezielle Allergie, wie zum Beispiel Heuschnupfen oder Asthma. Sie sind jedoch von vornherein anfälliger für Allergien. Das bedeutet: Die Gene allein lösen noch keine allergische Krankheit aus. Kommen gefährdete Kinder jedoch mit Allergenen wie Pollen, Hausstaub oder Tierhaaren in Kontakt, erkranken sie deutlich schneller als ihre unbelasteten Altersgenossen.
 
Verdächtige Symptome
Eltern, die unter Allergien leiden, sollten ihre Kinder vor starken Allergenen wie beispielsweise Hausstaubmilben, Katzenhaaren oder auch Tabakrauch schützen. Entwickelt ein Kind dennoch verdächtige Symptome wie Hautausschlag, Dauerschnupfen oder unerklärliche Hustenanfälle, hilft ein auf Allergien spezialisierter Arzt. Je früher eine Allergiediagnostik durchgeführt wird, desto bessere Chancen hat das Kind. Denn: Eine rechtzeitige Therapie kann die Schwere der Symptome deutlich lindern. Bleibt die Krankheit dagegen unbehandelt, kann sie sich verschlimmern und sogar chronisch werden.
„Oft leiden Patienten unter einer Allergie, interpretieren diese als harmlosen Heuschnupfen und bagatellisieren sie“, betonte Prim. Dr. Norbert Vetter, Leiter der 2. Internen Lungenabteilung am Sozialmedizinischen Zentrum Baumgartner Höhe. „Die Beschwerden werden stärker, dennoch wird die allergische Rhinitis nicht angemessen ärztlich untersucht und entwickelt sich zu Asthma.“ In Österreich gibt es etwa 20.000 asthmakranke Kinder – ohne Diagnose und Behandlung. Die spezifische Immuntherapie (SIT) oder Hyposensibilisierung kann das Fortschreiten inhalativer Allergien in Richtung Asthma verhindern. Das Asthma-Risiko unbehandelter Kinder ist fast doppelt so hoch wie das von SIT-behandelten Patienten.

Kind mit Katze  

Der Körper fühlt sich attackiert…
Beim Spaziergang in der Natur beginnen die Augen zu tränen, eine harmlose Scheibe Brot sorgt für unerträgliche Bauchkrämpfe und ein kleines Schmuckstück verursacht juckende Pusteln auf der Haut: Für Allergiker wird der ganz normale Alltag plötzlich zur Ausnahmesituation. Doch wie kommt es, dass anscheinend selbstverständliche Dinge des Alltags, solche Probleme auslösen? Ursache ist sozusagen eine Art Fehlreaktion des Körpers. Das Immunsystem antwortet mit einer überschießenden Reaktion auf bestimmte Stoffe der Umwelt; es reagiert auf Substanzen, die eigentlich gar nicht gefährlich sind wie beispielsweise Pollen oder Milbenkot. So werden harmlose Stoffe für den Körper plötzlich zum Feind – der Körper bekämpft sie. 

 
Asthma bei Kindern
Bei der kleinen Anna fing alles mit einem trockenen Husten an. Zunächst dachten ihre Eltern noch an eine normale Erkältung. Doch dann klagte die Kleine plötzlich über ein Engegefühl in der Brust und Atemnot. Die Diagnose des Arztes trifft die Familie wie ein Schlag: Anna ist mit sechs Jahren schon chronisch krank – sie hat Asthma bronchiale. Erkrankungen der Atemwege sind in unserer Gesellschaft schon beinahe zur Normalität geworden. Etwa 10 Prozent der Menschen – diese Zahl gilt auch für Kinder – haben Asthma; rund 1,2 Millionen Menschen in Österreich leiden unter Heuschnupfen. Die betroffenen Familien sind oft in ständiger Sorge um das kranke Kind und fühlen sich überfordert. „Kinder mit Asthma, die ausreichend behandelt werden, haben ein besseres Längenwachstum, eine bessere Lungenfunktion, weniger Allergien und weniger Fehl- bzw. Sportausfallzeiten in der Schule als unzureichend behandelte Kinder“, so Prim. Dr. Vetter. „Leider wird oft wertvolle Therapiezeit verschenkt. Eltern werden zu spät über die Erkrankung und deren Therapiemöglichkeiten informiert, und die Krankheit schreitet fort.“ Eltern sollten deshalb besonders wachsam sein und bei Hinweisen auf Asthma mit dem Kind möglichst bald Experten aufsuchen. Ein immer wiederkehrender Husten kann auf eine Asthma-Erkrankung hindeuten. Kinder und Eltern müssen zusammen lernen, wie sie die Krankheit im Alltag bewältigen können. Hierbei kann etwa eine spezielle Asthmaschulung hilfreich sein; dort üben Kinder und Eltern, Asthma-Anfälle zu vermeiden, technische Hilfsmittel wie Inhalatoren richtig anzuwenden und mit Notfallsituationen umzugehen.

Achten Sie auf die Symptome!
Besondere Vorsicht ist geboten bei:

  • Husten nach körperlichen Belastungen,
  • wochenlang andauerndem Husten,
  • nächtlichem Husten,
  • Husten ohne gleichzeitige Infekte,
  • Husten nach Kontakt mit Tieren, Pollen und anderen Allergenen,
  • Husten zusätzlich zu einer allergischen Erkrankung.

So senken Sie das Allergierisiko Ihres Kindes

Mit einer frühzeitigen Vorsorge können Eltern das Allergierisiko ihres Kindes deutlich senken. Denn die Basis für eine spätere Allergie wird oft in den ersten Lebensjahren gelegt: Besonders im Säuglings- und Kleinkindalter werden Kinder leicht gegen Allergene sensibilisiert. Dann steigt die Gefahr, dass sie später eine akute allergische Reaktion entwickeln. Werdenden Eltern werden daher folgende vorbeugende Maßnahmen empfohlen – schon vor der Geburt können Mütter das Allergierisiko ihres Kindes beeinflussen:

  • Verzichten Sie während der Schwangerschaft unbedingt auf das Rauchen! Damit senken Sie nicht nur das Risiko einer Missbildung, sondern schalten bereits einen wichtigen Allergiefaktor aus. Kinder, deren Mütter während der Schwangerschaft rauchen, sind deutlich allergieanfälliger und erkranken um ein Drittel häufiger an Asthma als Kinder von Nichtraucherinnen.
  • Halten Sie die Umgebung Ihres Kindes auch nach der Geburt rauchfrei, denn Tabakrauch reizt die empfindlichen Schleimhäute der Kinder, so dass Allergene leichter eindringen können. Ihr Apotheker berät Sie gerne darüber, wie Sie sich das Rauchen abgewöhnen können.
  • Zur Vorbeugung einer Allergie ist es empfehlenswert, das Baby mindestens sechs Monate lang ausschließlich zu stillen. Studien verdeutlichen, dass gestillte Kinder später deutlich weniger mit Allergien zu kämpfen haben als Fläschchen-Babies. Ein wichtiger Grund hierfür sind die in der Muttermilch enthaltenen Abwehrstoffe, die das Kind beim Stillen aufnimmt.
  • Ist Stillen nicht möglich, können Eltern auf eine hypoallergene Säuglingsnahrung aus Kuhmilch zurückgreifen. Die Proteine in der Milch werden durch ein spezielles Verfahren so stark zerlegt, dass der Körper des Kindes sie in der Regel nicht mehr als Allergene erkennt.
  • Beim Wechsel zu fester Nahrung sollten klassische Allergieauslöser wie Eier, Fisch, Nüsse und Zitrusfrüchte vor allem in den ersten zwei Lebensjahren gemieden werden und erst später auf dem Speiseplan der Kinder aufscheinen.
  • Betroffene Familien, in denen ein oder mehrere Familienmitglieder bereits Allergien haben, sollten auf Haustiere mit Fell oder Federn verzichten. Gerade Katzenhaare können bei kleinen Kindern sehr leicht Allergien auslösen.
  • Um den Kontakt mit Hausstaubmilben in der Wohnung möglichst gering zu halten, ist es empfehlenswert, milbenundurchlässige Matratzenbezüge oder Synthetikfaserbetten in Betracht zu ziehen.

INFOBOX

So kommt es zu einer Allergie
Allergien entstehen nicht von heute auf morgen. Zunächst muss der Körper mit dem auslösenden Stoff – dem Allergen – in Kontakt kommen. Das können zum Beispiel Birkenpollen sein, die sich beim Einatmen auf der Nasenschleimhaut absetzen. Das Immunsystem hält diese Pollen irrtümlich für schädlich und bildet spezielle Antikörper gegen sie. Die betroffene Person wird dadurch gegen das Allergen sensibilisiert, zeigt aber zunächst noch keine erkennbare Reaktion. Erst wenn sie erneut mit Birkenpollen in Kontakt kommt, können allergische Symptome auftreten. Je nach auslösendem Allergen sind die Symptome bei allergischen Reaktionen sehr unterschiedlich: Sie können von tränenden Augen, Hautausschlag oder krampfartigen Schmerzen bis hin zu Atemnot und sogar einem tödlichen Herz-Kreislauf-Versagen reichen. Allerdings bekommt nicht jeder Mensch, der gegen ein oder mehrere Allergene sensibilisiert ist, auch tatsächlich eine Allergie. Viele Menschen bilden Antikörper gegen Allergene, ohne jemals allergische Symptome zu zeigen.

Asthma – eine chronische Entzündung
Asthma bronchiale – eine chronische Entzündung des Bronchialsystems – führt zu immer wiederkehrenden Luftnotanfällen. Die Atemwege der Betroffenen sind oft überempfindlich gegen viele Substanzen in der Umwelt: Ein Großteil der Kinder und Jugendlichen mit Asthma reagiert beispielsweise allergisch auf Hausstaub, Tierhaare, Pollen oder Schimmelpilzsporen. Aber auch Infektionen oder Reizstoffe wie Rauch können die Krankheit verschlechtern und Asthmaanfälle auslösen. Beginnendes Asthma kündigt sich meist durch Kurzatmigkeit, schweres, pfeifendes Ausatmen sowie nächtliche Hustenanfälle an. Wird die Krankheit rechtzeitig erkannt, lässt sie sich durch Medikamente sehr gut therapieren. Viele Betroffene können sogar weitgehend symptomfrei leben, auch wenn die Krankheit unheilbar bleibt.

Ihr Dr. Pröll

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