Selbstmedikation bei Erkältung
Erwachsene bekommen sie normalerweise ein- bis zweimal, Kinder sogar sechs- bis zehnmal im Jahr: Eine Erkältung. Sicher gibt es schlimmere Krankheiten. Unangenehm und lästig ist sie allemal. Es kratzt und zwickt im Hals. Man hat Schluckbeschwerden, Schnupfen und Kopfschmerzen, fühlt sich abgeschlagen und lustlos. Husten und Fieber machen einem zu schaffen – und das in der Regel eine ganze Woche lang.  Ein grippaler Infekt, auch Erkältung oder Verkühlung genannt, wird in den meisten Fällen durch respiratorische Viren ausgelöst. Der Infekt beginnt mit Halsschmerzen oder Heiserkeit, nach 1 bis 2 Tagen entwickelt sich ein Reizhusten mit zähem Schleim. Dieser löst sich nach ein paar Tagen. Der Husten geht mit erhöhter Temperatur, das Fieber steigt meist bis 39 C, in Verbindung mit Kopf- und Gliederschmerzen einher. Nach 7 bis 10 Tagen zeigt sich eine deutliche Besserung. Das passiert bei einer Erkältung. Virusinfekte führen zu einer nachhaltigen Störung der unspezifischen, körpereigenen Abwehr – insbesondere der mechanischen Reinigungsfunktion der Schleimhäute, die Fremdkörper und Verunreinigungen abtransportiert, 10 bis 14 Tage lang, d.h. 3 bis 5 Tage über die klinische Genesung hinaus. Zudem ist der reguläre Aufbau der Schleimschicht in ihrer Viskosität gestört. Wenn die Erkältungserreger die Schleimhäute der oberen Atemwege besetzen, setzen die betroffenen Zellen Signalstoffe, die Prostaglandine frei. Es kommt zur Entzündung der Schleimhäute, und die typischen Symptome des grippalen Infektes werden ausgelöst: Kopf-, Hals- und Gliederschmerzen, Husten und Schnupfen. Obwohl sie sich meist nicht mehr aufhalten lassen, kann man sie aber durchaus wirkungsvoll bekämpfen. Kälte und Erkältung. Kommt es zu einer Virusinfektion, so folgt die Freisetzung einer Kaskade von Botenstoffen, die u.a. über die »Aktivierung« des Immunsystems eine Erhöhung der Körpertemperatur bewirken. Diese Thermoregulation führt zum »Frösteln«, das zwar ein Zeichen für die Entwicklung eines grippalen Infektes sein kann, aber nicht dessen Ursache. Sehr wohl kann aber eine Unterkühlung das Immunsystem so weit abschwächen, dass es die Krankheitserreger nicht mehr abwehren kann. Bei Kälte gilt also nach wie vor: Schutz – vor allem des Kopfes und der Füße – durch entsprechende Kleidung. Erkältung in der Selbstmedikation. Eine ursächliche Therapie der Erkältung ist nicht möglich, es werden die einzelnen Symptome, die im Vordergrund stehen, behandelt. Wirkstoffkombinationen, sog. Grippemittel, beinhalten meist Analgetika, also Schmerzmittel, in Kombination mit einem oder mehreren anderen symptombekämpfenden Inhaltsstoffen. Fragen Sie dazu Ihren Apotheker.  Das hilft beim »Erkältungshusten« Husten ist eines der beschwerlichen Leitsymptome einer Erkältung. Es gibt sehr gute Präparate dagegen, doch muss man wissen, wann man sie einsetzt. Zur Unterdrückung des Hustenreizes. Antitussiva zur Unterdrückung des Hustenreizes wirken zentral im Hustenzentrum und werden über mehrere Tage angewandt. Sobald sich der Husten löst, sollten sie abgesetzt werden. Besteht in der Nacht noch ein starker Hustenreiz, der den Schlaf empfindlich stört, so können sie darüber hinaus noch vor dem Zu Bett Gehen eingenommen werden. Bei einer Kombination mit Sekretolytika, also auswurffördernden Präparaten, besteht die Gefahr eines Sekretstaus. Es gibt chemische Hustendämpfer; zu den pflanzlichen Antitussiva zählt das Sonnentaukraut. Zu den schleimhaltigen Heilpflanzen zur Linderung des Hustenreizes gehören Huflattichblätter, Eibischwurzel (kalt angesetzt), Spitzwegerichkraut, Isländisch Moos und Malvenblüten Zum Abhusten des Sekrets. Expektorantien und Sekretolytika lösen das Bronchialsekret und unterstützen dessen Abhusten; einige besitzen zusätzlich eine krampflösende Komponente wie Thymian oder Efeu. Neben einer regelmäßigen Einnahme über ca. 7 Tage – eher morgens und mittags, bis der Husten abklingt – ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr mit rund 2 bis 3 Liter pro Tag für deren Wirkung notwendig. Neben den chemischen Expektorantien gibt es auch pflanzliche wie Thymiankraut, und saponinhaltige Drogen zum Schleimlösen aus Primelwurzel, Königskerze, Efeublätter und Spitzwegerichkraut sowie den Schwarzen Rettich Hustensaft. Zu dessen Herstellung sowie zu Homöopathika etc. berät Sie Ihr Apotheker gerne. Ihr Apotheker rät: Inhalieren und Baden: zum richtigen Inhalieren gehört kochendes Wasser, dem man einen Esslöffel Salz zugeben kann oder man inhaliert mit Kamillentee. Unter einem Leintuch oder Decke lässt sich eine feuchte Kammer mit erhitztem Wasserdampf bilden, der sekretlösend in den oberen und unteren Atemwegen wirkt. Aber Vorsicht: zum Freimachen einer verstopften Nase reichen Temperaturen von 50°C, die noch als angenehm empfunden werden, aus. Außerdem soll vor jeder Wärmeanwendung mit abschwellenden Nasentropfen versucht werden, die Schwellung der Schleimhaut zu verringern, damit verflüssigtes Sekret besser abfließen kann! Noch ein Tipp: die Verbrühungsgefahr wird minimiert, wenn man nicht aus dem Topf direkt am Herd inhaliert sondern ihn ins Waschbecken stellt. Besondere Vorsicht bei Kindern!  Das hilft bei Schnupfen! Die erwähnte Schleimhautschwellung ist einerseits für die Virenabwehr wichtig, führt jedoch zu einer der lästigsten Erscheinungen einer Erkältung, zur »verstopften Nase«. Eine akute Virusrhinitis zeigt sich zunächst als Fließschnupfen, das ist ein wässriger Schnupfen mit starker Sekretbildung und behinderter Nasenatmung meist verbunden mit Niesreiz, Augentränen u.a.m. Nach wenigen Tagen geht er in ein schleimiges Stadium, den Stockschnupfen über; dieses Eindicken des Sekrets birgt die Gefahr eines Staus und weiterer Entzündungen, z.B. der Nasennebenhöhlen (Sinusitis). Zum Abschwellen der Schleimhäute. Sogenannte alpha-Sympathomimetika werden lokal als Nasentropfen, -sprays, -salben und -gele angewandt. Sie dienen zum Abschwellen der Nasenschleimhaut und zur Verbesserung des Sekretabflusses bei behinderter Nasenatmung. Sie dürfen nur kurzfristig - max. 5 bis 7 Tage – eingesetzt werden, da ein Gewöhnungseffekt auftreten kann. Bei häufigem Gebrauch ist darüber hinaus eine Steigerung des Blutdrucks möglich, worauf Bluhochdruck-Patienten achten sollten. Zur Lösung des Sekrets. Sekretolytika – dazu zählen Myrtol, Cineol, Acetylcystein sowie pflanzliche Kombinationspräparate – dienen zur Lösung des Sekrets und damit auch der Sinusitisprophylaxe, wobei sie ihre Wirkung nur bei einer ausreichenden Flüssigkeitszufuhr – 2 bis 3 Liter pro Tag – entfalten können. Sinnvoll ist ihr Einsatz in Kombination mit abschwellenden Nasensprays. Beachtet werden sollte, dass Acetylcystein bestimmte Antibiotika wirkungslos machen kann. Heilpflanzen, die wirken! Pflanzliche Extrakte aus Heilpflanzen können als Teezubereitungen, Sirup, Tabletten o.ä. eingenommen bzw. inhaliert werden, wobei sie besonderes bei Infekten der oberen Atemwege sehr gute Erfolge erzielen. Lavendel, Eukalyptus und Pelargonium sidoides verbessern den Abtransport von Schadstoffen. Blüten und Wurzel der Primel sowie Enzianwurzel harmonisieren die Viskosität des Sekretes und erleichtern den Abtransport. Holunderblüten, Primel und Eukalyptus enthalten abschwellende Wirkstoffe. Kamille, Johanniskraut, Salbei und Thymian zeigen starke lokale, antimikrobielle Wirksamkeit. Eisenkraut wirkt in Kombination mit Enzianwurzel, Primelblüte, Sauerampferkraut und Holunderblüte bei akuten und chronischen Entzündungen der Nasennebenhöhlen und der Atemwege. Ihr Apotheker stellt übrigens gern die von Ihnen gewünschte Teemischung zusammen. Darüber hinaus hält er auch entsprechende Fertigpräparate, Homöopathika und Ätherische Öle zur Inhalation für Sie bereit. Ihr Apotheker rät: - Nasenspülungen mit Meersalz, Emserquellsalz, Kochsalz und Salznasensprays verflüssigen den fest sitzenden Schleim. Darüber hinaus werden – speziell durch das Emser Salz – Entzündungen reduziert.
- spezielle Erkältungs- oder Heublumenbäder erleichtern das »Ausschwitzen« und wirken gleichzeitig als Aromatherapie. Danach sollte der Patient gut zugedeckt ruhen.
- Dexpanthenolhältige Salben dienen der Pflege der wunden Nase bzw. Nasenflügel.

Das hilft bei Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen Geeignete Schmerzmittel, auch Analgetika genannt, in Form von Saft oder Zäpfchen, bekämpfen in körpergewichtsgerechter Dosierung die Gelenksschmerzen und führen aufgrund ihrer entzündungshemmenden Wirkung auch zu einer erwünschten Abschwellung der Schleimhäute im gesamten oberen Respirationstrakt. So soll Paracetamol 1 h vor oder 2 bis 3 Stunden nach der Mahlzeit eingenommen werden. Die Tagesdosis sollte auf drei bis vier Einzelgaben verteilt und der Zeitraum von einer Woche nicht überschritten werden. Nicht in Verbindung mit Alkohol einnehmen. Ibuprofen ist ein Analgetikum und Antirheumatikum und wirkt auch fiebersenkend. Acetylsalicylsäure verhindert die Prostaglandinsynthese. Auf keinen Fall Kindern unter 12 Jahren geben. (siehe dazu S. 17) Heilpflanzen, die wirken! Lindenblüten bei grippalem Infekt wirken schweißtreibend z.B. in Kombination mit Holunderblüten und sollten in den ersten Tagen als »Schwitzkur« angewandt werden, um den Krankheitsverlauf abzukürzen. Purpurfarbener Sonnenhut bewirkt bei rezidivierenden Infekten der Atemwege eine unspezifische Aktivierung des Immunsystems. Die Taigawurzel wird als Tonikum zur Kräftigung bei Müdigkeits- und Schwächegefühl eingesetzt. Mikronährstoffe. Vitamin C dient der unspezifischen Abwehrsteigerung (Dos. 200–500 mg/Tag). Vitamin A bewirkt einen Schutz von Haut und Schleimhäuten als erste Abwehrbarriere gegen Bakterien und Viren, es unterstützt die Produktion von Antikörpern und die Aktivierung von virenbekämpfenden Stoffen (Dos. 5.000–10.000 I.E). Zink zeigt eine lokale antivirale Wirkung an den Schleimhäuten (Dos. 10–25 mg/Tag). Ihr Apotheker rät: Wadenwickel bei Fieber. Vorsicht!! Bei kalten Beinen oder Füßen, auch bei hohem Fieber NIE kalte Wickel anlegen. Bei Fieber können Tücher in Wasser – etwas kälter als die Körpertemperatur – getränkt, ausgewrungen, und vom Knöchel bis zum Knie um die Beine gewickelt werden. Der Patient wird wieder zugedeckt und die warm gewordenen Tücher werden etwa dreimal erneuert. Auf keinen Fall die Beine mit wasserdichten Folien umwickeln. Das hilft bei Fieberblasen! Manche bekommen sie nicht, manche kommen fast nicht mehr davon los, besonders in der kalten Jahreszeit: Fieberblasen. Die hochinfektiöse Erkrankung beginnt mit Juckreiz, Kribbeln und Spannungsgefühl der Haut. Nach bis zu zwei Tagen bilden sich Bläschen. Die Bläschen mit gerötetem Umfeld öffnen sich, verkrusten und heilen dann ab. Das Um und Auf einer erfolgreichen Therapie ist die möglichst frühzeitige und konsequente Anwendung der entsprechenden Präparate. So wirken entsprechende Virustatika wie Aciclovir und Penciclovir selektiv gegen diese Herpesviren. Sie sollten nicht länger als zehn Tage angewandt werden. Der Wirkstoff Zinksulfat verleiht den auf die Lippe aufzutragenden Zinkpräparaten eine adstringierende Wirkung; zugesetztes Heparin soll die Wirkung noch verstärken. Melissenblätter als Trockenextrakt wirken als pflanzliches Virustatikum. Antiseptika sind antibakteriell wirksam und können auch zur Vermeidung einer bakteriellen Sekundärinfektion eingesetzt werden. Ihr Apotheker rät:
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Sonnenschutzpräparate für die Lippen -
Multivitaminpräparate – Vitamine A, C und E - helfen bei einer rascheren Genesung -
Zinkpräparate zum Einnehmen -
Echinacaea Produkte in der Abheilungsphase und als Lippenpflege -
so genannte Fieberblasenpatches applizieren nicht nur den Wirkstoff, sondern berücksichtigen auch die kosmetische Komponente. - Für Harte, aber es wirkt: ein »Fieberblasenbrenner« in Lippenstiftform, beim ersten Kribbeln angewandt, stoppt durch Erhitzen der betroffenen Stelle die Ausbreitung.
Ihr Dr. Pröll
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