Kältezeit ist Herpeszeit
Herpes-Infektionen vorbeugen und behandeln Als hätte man mit dem triefenden Näschen und lästigen Halskratzen nicht schon genug, da kribbelt es dann auch noch auf der Lippe – die altbekannte Fieberblase ist wieder einmal im Anmarsch. Hat man sich einmal mit dem Herpes simplex-Virus infiziert, verweilt er unerwünscht als lebenslanger Dauergast, dessen Erwachen sich besonders in Erkältungszeiten, noch bevor Schnupfen und Co. auf sich aufmerksam machen, häuft. Die Folge: lästige und oft schmerzhafte Bläschen. Einmal aktiv, vermehren sich die Erreger explosionsartig, daher ist rasches Handeln oberstes Gebot. So sollte das richtige Präparat stets in der Hausapotheke sein, um bereits beim ersten Spannungsgefühl schnell einschreiten zu können. Denn nur wer rasch handelt, behält möglicherweise blasenfreie Lippen. Der wiederholte Klimawechsel zwischen bitterkalten, feuchten Temperaturen im Freien und molliger, trockener Heizungswärme macht unseren Schleimhäuten schwer zu schaffen. Und so haben Viren – oder auch Bakterien – ein leichtes Spiel. Ausgetrocknete Atemwege versagen in ihrer Funktion als schützende Barriere und bieten eine der Haupteintrittspforten für pathogene Keime. Resultat: ein geschwächtes Immunsystem, Erkältung, im schlimmsten Fall sogar ein grippaler Infekt. Neben akutem Stress, Müdigkeit oder starker UV-Strahlung ist es oftmals genau dieser Krankheitszustand, auf den Herpes-Viren warten, um aus ihrem Dämmerzustand zu erwachen. Kommt es zu einem Herpes-Schub, so wandern die Viren aus ihrem Reservoir entlang antikörperfreier Nervenbahnen und befallen die Oberhaut (Epidermis). Es kommt zur Schädigung der Epidermis, deren erste Anzeichen sich lediglich als leichtes Kribbeln und Spannungsgefühl – meist am Lippenrand – äußern. Binnen kürzester Zeit bilden sich charakteristischerweise mehr oder weniger gruppierte, schmerzhafte Bläschen auf gerötetem Untergrund. Das schafft Abhilfe! Es gibt vielfältige Möglichkeiten, die schmerzhaften Bläschen effektiv zu behandeln. So sollte die Wahl der Lokaltherapie sorgfältig auf die momentane Phase der Herpes simplex-Infektion abgestimmt werden. Während sich virushemmende Mittel hervorragend in der Anfangsphase bzw. in der Bildungsphase der Bläschen eignen, so sind in der Austrocknungs- sowie Heilphase eher entzündungshemmende, schmerzlindernde sowie lokal desinfizierende Maßnahmen erforderlich. Als eine der bekanntesten Wirkstoffgruppen bei Lippenherpes (Herpes labialis) werden beispielsweise Präparate mit dem Wirkstoff Aciclovir und Penciclovir eingesetzt. Aciclovir-hältige Lippenherpespräparate zeichnen sich durch ihr vorteilhaftes Verträglichkeitsprofil sowie hoher Sicherheit aus – eine Aufnahme in den Blutkreislauf erfolgt nicht. Die Anwendung von Aciclovir sollte fünfmal täglich alle vier Stunden, von Penciclovir (FeniVir®) alle zwei Stunden über vier Tage lokal erfolgen. Besonders wichtig ist es, das Präparat mit Hilfe eines Wattestäbchens möglichst dünn auf die bereits infizierten als auch unmittelbar benachbarten Hautareale aufzutragen. Alternative aus Pflanzenkraft Trockenextrakte aus Melissenblättern (Lomaherpan®) verhindern das Eindringen der Herpes-Viren in die Zelle und somit dessen rasante Ausbreitung. So kommt es zu einer rasch einsetzenden lokalen virushemmenden Wirkung sowie zu einer Verkürzung der Abheilungsphase und möglicherweise einer Verlängerung der symptomfreien Intervalle. Aber auch andere in der Natur vorkommenden Stoffe besitzen starke Wirkkraft gegen lästigen Lippenherpes. Extrakte des Rhabarbers sowie der Salbeiblätter (Phytovir®) sind sowohl in der Bläschenphase als auch in der Zeit des Abheilens durchaus sinnvoll. So wird einerseits die anfänglich starke Virusvermehrung eingedämmt und andererseits einer späteren Infektion der Wunde durch Bakterien vorgebeugt. Die Anwendung, welche 2- bis 4mal erfolgt, sollte vom Beginn der Herpes Erkrankung bis einige Tage nach Abheilen der Krankheitssymptome stattfinden. Vorteil dieser Therapieform ist die bedenkenlose Anwendungsmöglichkeit auch bei Kleinkindern. Zink und Heparin Besonders in der akuten Phase der Herpes-Infektion sollte die lokale Anwendung mit einer oralen Verabreichung von täglich 50 mg Zink unterstützt werden. Der Zusatz von Heparin (Lipactin®) intensiviert die Virus hemmende Wirkung von Zink. Selen Auch Selen – beispielsweise als Spray (SeloVir®) äußerlich angewandt – kann durch seine entzündungshemmenden Eigenschaften schnelle Linderung bei Lippenherpes erzielen. Sogar die Intervalle des neuerlichen Auftretens einer Herpes-Infektion können verlängert werden. Dazu sollte ein mehrmals tägliches Aufsprühen sowohl auf die betroffenen Stellen, als auch in die Mundschleimhaut erfolgen. Die Phase des Abheilens Erreicht der Herpes simplex-Erreger seinen Aktivitätshöhepunkt, bereitet er langsam seinen Rückzug vor – die Folge: das zuvor unbedingt erforderliche virushemmende Präparat ist nun fehl am Platz. Kaum weichen Viren, beginnen unliebsame Bakterien ihr Werk. Es entstehen bakterielle Superinfektionen – aufgeplatzte Bläschen und benachbarte Hautpartien beginnen zu brennen und zu nässen. Um bösartigen Entzündungen entgegenzuwirken, sind entsprechende bakterienhemmende Präparate ein Muss. Altbewährtes Neben ihren virushemmenden Eigenschaften eignen sich altbewährte Präparate mit Zink und Phenol auch in der Abheilungsphase der Herpes simplex-Infektion hervorragend. So besitzt Zink neben seinen antiviralen Eigenschaften auch eine heilungsfördernde Wirkung – die Anwendung ist bei nässenden Ausschlägen und infizierten Wunden bestens geeignet. Besonders nach dem Auf - platzen der Fieberblase sind zinkhältige Heilsalben empfehlenswert (Labisan®med). Neben der Förderung der Wundheilung besitzen sie zusätzlich eine antiseptische – Krankheits erreger abtötende – Wirkung gegen das Entstehen begleitender bakterieller Superinfektionen. Zinkhältige Cremes bzw. Gels bewirken bei mehrmals täglichem Auftragen ein Austrocknen der Bläschen, das Ausbreiten des Erregers auf gesunde Hautpartien wird verhindert. Auch der Wirkstoff Carboxenol (Rowadermat®) sollte keinesfalls ausschließlich auf die virushemmende Wirkung reduziert werden, denn er hat zusätzlich entzündungshemmende Eigenschaften. Die Anwendung des gelförmigen Carbenoxolon sollte 4- bis 6mal täglich bis zur vollständigen Abheilung der Läsionen auf die erkrankte Stelle aufgetragen werden. Eine Verabreichung kann auch bei Kindern erfolgen, jedoch sollten nur geringe Mengen dünn angewendet werden. Innovatives Herpespflaster Eine neuartige Behandlung der Herpes-Bläschen stellt der Einsatzvon so genannten Fieberblasenpflastern dar, welche auf dem Prinzip der feuchten Wundheilung beruhen. Herpespflaster (Compeed® Herpes Patch, Hansaplast® SOS Herpes Patch) sind durchsichtige Plättchen die bei den ersten Anzeichen auf die betroffenen Stellen aufgeklebt werden und so vor weiteren Infektionen und der Virusverbreitung schützen. Des Weiteren bewirken sie eine Schmerzlinderung, verringern Rötungen und Schwellungen, und lindern unangenehmes Jucken. Stärkende Pflanzenkraft für das Immunsystem Um einer Herpes-Infektion optimal vorbeugen zu können, ist es wichtig, das Immunsystem zu stärken. Dazu eignen sich vor allem Echinacea purpurea-Präparate wie z.B. Echinacin®. Neben Echinacea purpurea erweist sich – aufgrund seiner immunologisch aktiven Inhaltstoffe – auch Thuja occidentalis, der so genannte Lebensbaum, sowie Wilder Indigo, der meist als Kombinationspräparat zusammen mit Echinacea und Thuja verfügbar ist (Esberitox®), als wirkungsvoll. Fragen Sie Ihren Apotheker, welches Präparat zur Vorbeugung und Behandlung einer Herpes-Infektion das für Sie am besten geeignete ist. Er weiß Bescheid! Ihr Dr. Pröll
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