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Jetzt? Jetzt! Raucherentwöhnung mit Nikotinersatz- präparaten

Warum wird man von der Zigarette so schnell abhängig? Was im Rauch macht krank? Die wichtigste Frage aber ist: Wie komme ich vom Rauchen los? Fragen Sie dazu Ihren Apotheker, er weiß wie!Zigarette

Tabakrauchen ist – leider – anregend und entspannend, Aufmerksamkeit und Reaktionsvermögen werden gesteigert, unangenehme Empfindungen wie Angst, Stress, Hunger und Entzugserscheinungen werden verringert. Hauptverantwortlich für diese angenehmen Empfindungen ist die Substanz Nikotin im Tabak, die beim Tabakabbrand als Aerosol mit dem Hauptstrom in die Atemwege inhaliert wird. Nikotin überwindet die Blut-Hirn-Schranke mit Leichtigkeit und bindet innerhalb von 7 bis 10 Sekunden im Gehirn an so genannte Acetylcholinrezeptoren. Dadurch werden die Wirkungen des Zigarettenrauchens ausgelöst.
Neben dieser unmittelbaren Wirkung spielen auch Wirkungen auf andere Funktionssysteme eine entscheidende Rolle bei der Suchtentwicklung. Es kommt zur Freisetzung von z.B. Dopamin, Adrenalin, Serotonin, beta-Endorphin, Cortisol und Wachstumshormon, also vieler Stoffe, die massiv an der Steuerung unserer Körperfunktionen beteiligt sind. Die angenehmen Wirkungen des Nikotins halten jedoch meistens nicht lange an, deswegen wird sehr bald – meist vor Ablauf einer Stunde – die nächste Zigarette angezündet. Während Nikotin als Hauptwirkstoff für die entstehende Abhängigkeit verantwortlich ist, gibt es eine Vielzahl von Schadstoffen im Tabak, die die Ursache für die enormen gesundheitsschädigenden Auswirkungen sind. Es finden sich etwa 4.000 chemische Verbindungen im Tabak. Etwa die Hälfte ist von Natur aus in den Tabakblättern, die andere Hälfte entsteht durch chemische Reaktionen beim Abbrennen der Zigarette. Darunter sind mindestens 90 Stoffe enthalten, die Krebs erzeugen können wie z.B. Benzpyren und seine Abkömmlinge, Spuren von Nitrosaminen und Schwermetallen wie Chrom (Cr), Arsen
(As), Cadmium (Cd). In der Zigarette und in dem Rauch sind auch radioaktive alpha-Strahler und somit gefährliche Radionukleotide wie Polonium 210 enthalten, welche zu einer Ablagerung in der Lunge führen. Bei einer Rauchleistung von 1,5 Packerln pro Tag über ein Jahr
wurde in einer Studie eine Strahlenbelastung mit einer lokalen Dosisbelastung, die äquivalent zu 300 Lungenröntgenaufnahmen ist, beschrieben. Es gibt noch weitere Stoffe in den Zigaretten, die von der Tabakindustrie
gezielt unter dem Begriff »Additive« zugesetzt werden und
zur Geschmacks- und Produktspezifizierung dienen sollen. Mittels dieser Additive können aber unter anderem auch die Nikotinfreisetzung aus der Zigarette gefördert und somit das Abhängigkeitspotenzial von Nikotin erhöht werden.

Nikotin: das Suchtpotenzial
Nikotin ist eine der am schnellsten süchtig machenden Substanzen. Es hat eine psychostimulierende Wirkung wie Kokain oder Amphetamin. Der Nikotinspiegel steigt während des Rauchens einer Zigarette im Blut schnell an und erreicht mit dem Ende der jeweiligen Zigarette sein Maximum (ca. 5 bis 30 ng/ml Anstieg bei einer Zigarette).
Nachmittagsspiegel bis zu 50 ng/ml sind leicht erreichbar.
Mit einer Halbwertszeit von 2 Std. kumuliert Nikotin über 6 bis 8 Stunden. Beim Rauchen kommt es daher nicht zu einer vorübergehenden Nikotinexposition, sondern einer Exposition über 24 Stunden. Aufgrund des hohen Abhängigkeitspotenzials der Substanz Nikotin
im Tabakrauch spielt bei einer Vielzahl von Raucherinnen und Rauchern die Entzugssymptomatik eine große Rolle.
Die durch Tabakrauchen entstehende Abhängigkeit kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Das ungefähre Ausmaß der Abhängigkeit kann mittels des Fagerström
Nikotinabhängigkeitstest evaluiert werden. Hohe Punktewerte gehen mit der Notwendigkeit einer intensiven therapeutischen und medikamentösen Unterstützung einher. Zumindest ab einem Punktergebnis von fünf Punkten aufwärts sollten medikamentöse Hilfsmittel zusätzlich zur Beratung in Anspruch genommen werden.

Der Weg in die Tabakabhängigkeit
Die Tabakabhängigkeit entsteht durch das Zusammenspiel mehrerer Faktoren und beinhaltet eine physische und eine psychische Komponente. Entscheidend für die physische Abhängigkeit ist die Beeinflussung des Belohnungszentrums in unserem Gehirn. Gleichzeitig werden auch Lernvorgänge angeregt. Rauchen wird mit bestimmten Situationen – beispielsweise der Tasse Kaffee am Morgen, der Zigarettenach dem Essen oder mit Freunden – sowie Handlungen und Empfindungen
wie beispielsweise Geruch, Geschmack etc. in Verbindung
gebracht, sodass eine Konditionierung entsteht. Dieser Prozess macht den Ausstieg so schwer, weil im Zuge dieser
psychischen Abhängigkeit allein bestimmte Situationen schon das Verlangen nach einer Zigarette hervorrufen können.

Raucherentwöhnung: so geht’s!
Der Einstieg in die Raucherentwöhnung ist der Wille zur Verhaltensänderung. Den höchsten Erfolg bringt die Kombination einer medikamentösen und einer psychotherapeutischen Maßnahme. Insbesondere
stark abhängige Raucher können von einer intensiven
Behandlung in Kombination einer medikamentösen Unterstützung profitieren.

Nikotinersatztherapie

Bei der Raucherentwöhnung vermindert die Zufuhr von Nikotin die unangenehmen Entzugserscheinungen der ersten Wochen. Dadurch wird den Betroffenen die Bewältigung der erforderlichen Verhaltensänderung
erleichtert. Verglichen mit dem Rauchen werden jedoch durch die Nikotinersatztherapie niedrigere Nikotinspiegel aufgebaut, man kann daher bei der Nikotinersatztherapie von einer sehr niedrigen Abhängigkeitswirkung ausgehen. Darüber hinaus werden die anderen, überaus schädlichen Rauchinhaltsstoffe vermieden. Die Nikotinersatztherapie soll zu Beginn hoch dosiert werden, lange genug beibehalten und dann stufenweise mit dem Rückgang der
Entzugssymptome reduziert werden. Die durchschnittliche 12 Monats-Erfolgsrate in den vorliegenden Studien beträgt 15 bis 25%.

Nikotinpflaster
Pflaster stellen Nikotin während 16 oder 24 Stunden über die Hautaufnahme zur Verfügung. Es ist eine fixe Abgabe, die einen Nikotingrundspiegel erzeugt. Mit dem neuen 16-Stunden-Hochdosispflaster mit 25mg können mittlere Nikotinplasmaspiegel von 17ng/ml erreicht werden. Dieses Pflaster eignet sich bei einem Zigarettenkonsum von mehr als 20 pro Tag. Dennoch entspricht das erst einer Substitution von 50 bis 75% des beim Zigarettenrauchen erreichten Spiegels.
Anwendung: Die Anwendung des Pflasters ist einfach, eine kurzfristige Abstimmung auf den Bedarf wie bei den anderen kürzer wirksamen Produkten ist aber nicht möglich. Es soll daher mit kurzwirksamen Produkten kombiniert werden. Das Pflaster ist Mittel der ersten Wahl unter den verschiedenen Nikotinersatzstoffen.
Bei Pflasterunverträglichkeit darf es allerdings nicht angewendet werden. Vorsicht ist bei chronischen Hauterkrankungen geboten. Empfohlene Anwendungsdauer: 8 bis 12 Wochen
Nebenwirkungen: milde lokale Hautirritationen, die bei 10 bis 20% der Anwender auftreten.

Nikotinkaugummi
Hier ist das Nikotin Harz der Gummigrundlage enthalten.Die Geschmacksrichtungen Mint und Fruit sind in der Stärke von 2 und 4 mg erhältlich. Um die Aufnahme des Nikotins über die Mundschleimhaut zu optimieren,ist vorsichtiges Kauen und zeitweises »Parken« in den Wangen wichtig. Bereitstellung: ca. 10 min. Max. Wirkstoffkonzentrationen: nach ca. 20 bis 30 min. Abgabe: ca. 0,8 mg bis 1,0 mg Nikotin aus einem 2mg Stück ca 1,2 bis 1,4 mg aus dem
4 mg Stück
Anwendung:
Der Kaugummi kann etwa 20 bis 30 Minuten gekaut werden. Der 2 mg-Kaugummi kann bei Rauchern mit leichter bis mittelgradiger Abhängigkeit angewendet werden (z.B. Fagerström-Skala unter 5). Stark abhängige Raucher sollen mit dem 4 mg-Kaugummi beginnen. Bei einer Behandlungsdauer von mehr als 14 Wochen erhöht sich der Langzeiterfolg, eine individualisierte Anwendung der Dauer wird jedoch empfohlen. 10 Prozent der erfolgreich Entwöhnten verwenden den Kaugummi noch 12 Monate nach Beginn der Entwöhnung.
Nebenwirkungen: selten lokale Symptome im Mund, Rachen, Magen (Schluckauf, Magenverstimmung, Übelkeit)

Sublingualtablette
1 Tablette enthält 2 mg Nikotin mit Zitronen- oder anderen Geschmacksrichtungen.
Anwendung: Die Tablette wird unter die Zunge gelegt, wo sie sich langsam auflöst und den Wirkstoff freigibt; Sie soll nicht geschluckt oder gekaut werden. Die Anwendung kann alleine oder in Kombination mit dem Pflaster erfolgen. Die mit der Sublingualtablette erzielbaren Nikotinspiegel sind ähnlich denen beim Kauen eines 2-mg Nikotinkaugummis.
Bereitstellung: 10 min. Der Vorteil ist die wesentlich diskretere Anwendung – wenn etwa Kaugummikauen nicht angebracht oder durch Zahnersatz nicht möglich ist.
Nebenwirkungen: Am Beginn der Verwendung können Mundund Rachenentzündungen oder ein Brennen im Mund entstehen. Mögliche, aber seltene Nebenwirkungen sind Schluckauf, Kopfschmerz, Husten und leichte Übelkeit.

Nikotininhalator
Enthält 10 mg Nikotin, kann ca. 5 mg Nikotin freigeben.
Anwendung: Nach Einlegen einer Füllung in den geöffneten Inhalator wird diese durch das Schließen aktiviert. Da die Nikotinaufnahmen nur über die Mundschleimhäute erfolgt, soll nicht inhaliert sondern nur gepafft werden. Der Inhalator kann immer wieder weggelegt und später mit der gleichen Füllung weiterverwendet werden. Nach spätestens 3 Stunden bzw. wenn keine Wirkung mehr verspürt wird, soll die Nikotin-Kapsel gewechselt werden.
Dosierung: Mind. 4 Inhalerfüllungen pro Tag,
optimal 4 bis 10 proTag.
Dauer: 3 Monate mit 3 weiteren Monaten der stufenweisen Verminderung.
Nebenwirkungen: selten Mund/Rachen Irritationen und Husten. Die Kombination zweier Nikotinersatzprodukte gegenüber der Therapie mit nur einem NRT-Präparat zeigen einen statistisch gesicherten Vorteil der Kombinationstherapie, da damit der Bedarf breiter und individueller abgedeckt werden kann. In 4 Studien, bei denen kurze Zeit vor dem angepeilten Rauchstopp
ein Nikotinpflaster verwendet wurde, zeigte sich eine Zunahme des Entwöhnungserfolgs gegenüber jenen Studien, die das Pflaster erst ab dem Rauchstopp-Tag eingesetzt haben.

Ihr Dr. Pröll

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