GESUND AUF REISEN
Häufige Reiseerkrankungen
Auch wenn heutzutage viele Österreicher das ganze Jahr zum Verreisen nützen, ist dennoch der Sommer nach wie vor als Hauptreisezeit anzusehen. Eine gut ausgestattete Reiseapotheke kann – vor allem wenn das Urlaubsziel ein Land ist, in dem keine optimale Gesundheitsversorgung gegeben ist – oftmals verhindern, dass der Traumurlaub zum Horrortrip wird.
- Einmal abgesehen von den Mitteln gegen Schmerzen, Erkältungen, Fieber, Verstopfung, kleinen Verletzungen usw. gehört in jede Reiseapotheke ein Mittel gegen Durchfallerkrankungen, denn akuter Durchfall zählt zu den häufigsten Reiseerkrankungen in warme Gefilde,
- der massive Verlust von Wasser und Elektrolyte gefährdet Kinder und Senioren,
- es kann zu komplikativen Verläufen kommen. Für die Flugreise selbst sind abschwellende Nasensprays empfehlenswert, wenn der Druckausgleich zwischen Nase und Innenohr nicht funktioniert. Nasensprays auf Meersalzbasis verhindern das unangenehme Austrocknen der Nasenschleimhaut und »Melatonin«-Kapseln erleichtern das Übertauchen des »Jet-lag«. Die Thromboseprävention mit niedermolekularem Heparin ist nur bei Flügen über 5 Std. Dauer und bei Vorliegen von Risikofaktoren – Thromboseneigung in der Anamnese – gerechtfertigt.
Akute Durchfallerkrankungen
Die Durchfallfrequenz, begleitet von schmerzhaften Blähungen, Bauchkrämpfen und Übelkeit, sorgt für wenig angenehme Tage.
Zwar ist im Normalfall die Angelegenheit nach 2 bis 4 Tagen ausgestanden, aber verlorene Urlaubstage schmerzen dennoch und lassendie Frage aufkommen, ob und was man dagegen tun kann.
Unkomplizierter Reisedurchfall
Für gesunde Erwachsene mit stabilem Kreislauf ist ein akuter Brechdurchfall, der zur Eliminierung der Bakterien samt ihrer Toxine führt, mit einer oralen Rehydrierungslösung behandelbar. Zwar verkürzen derartige Lösungen nicht die Durchfalldauer, doch normalisieren sie die
Flüssigkeitsbilanz und beheben damit die Abgeschlagenheit und Müdigkeit. Ein völlig gefahrloses Mittel gegen Durchfall bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen ist medizinische Kohle, die in entsprechenden Mengen Bakterientoxine binden und dadurch den Krankheitsverlauf günstig beeinflussen kann. Der unangenehme Geschmack lässt sich durch die Einnahme mit breiiger Kost überdecken.
Man soll Kohlepräparate nicht mit Milch oder zuckerhaltigen Getränken einnehmen und die Dosierung von 2 bis 3 Gramm in drei Einzeldosen unbedingt einhalten. Ein Zeitabstand von 2 Std. zu anderen Arzneimitteln wie Kontrazeptiva ist jedoch einzuhalten. Auch getrocknete Heidelbeeren helfen.
Reisedurchfall mit Komfort
Wer gerade mit Bus, Flugzeug oder Bahn unterwegs ist wird an einer
möglichst raschen Senkung der Durchfallfrequenz und der damit verbundenen Beschwerdelinderung interessiert sein. Für solche Reisenden ist »Loperamid« das effizienteste Mittel, weil es schon wenige Stunden nach der Einnahme bei 40% der Betroffenen für Beschwerdefreiheit sorgen kann. Bei blutigen, fiebrigen Durchfällen darf »Loperamid« aber nie zum Einsatz kommen! Auch für Kinder ist es nicht geeignet.
Risikoreiche Reisen
Bei bestimmten Reisezielen ist der Durchfall fast vorprogrammiert. So z.B. weisen Ägypten-Urlauber, die eine Nilreise gebucht haben, ein Durchfallrisiko von 85% auf. In Indien beträgt die Wahrscheinlichkeit sogar 85%. Riskant verlaufen Durchfälle auch beim Höhentrekking wie im Himalaya, weil sich die Flüssigkeitsverluste über die Atmung (trockene Höhenluft) mit jenen durch den Durchfall addieren. Bei derartigen Reisen ist die Mitnahme eines Antibiotikums gegen invasive Durchfallerreger ratsam.
Schutzimpfung gegen Reisediarrhoe?
Alte Menschen, chronisch Kranke und Menschen mit Gesundheitsrisiko
könnten von einer derartigen Impfung profitieren. Die entsprechende Schutzimpfung gegen Reisediarrhoe? Alte Menschen, chronisch Kranke und Menschen mit Gesundheitsrisiko könnten von einer derartigen Impfung profitieren. Die entsprechende Schluckimpfung ist in Österreich nur für Cholera zugelassen. Sie bewirkt aber eine Kreuzresistenz gegen toxinbildende enterotoxische E. coli-Stämme, welche in bis zu 70% der Fälle den klassischen Reisedurchfall auslösen. Zur Grundimmunisierung sind 2 Schluckimpfungen für Erwachsene (Kinder ab 2 Jahre drei) im
mehr als Wochenabstand notwendig. Allerdings hält der Schutz nur
etwa 6 bis 12 Monate an und muss dann zur Erhaltung aufgefrischt
werden.
Vorbeugung mit Probiotika
Zur Behandlung der Reisediarrhoe in leichter Form gibt es einige wenige Bakterienpräparate mit Zulassung. Zur Prophylaxe eingesetzt, dürften sie das Risiko für eine Diarrhoe um 10% reduzieren.
Fälschungsproblematik, Arzneiformen und Transportrisiken
Wegen der lawinenhaften Zunahme der Arzneimittelfälschungen bei Internetbestellungen raten inzwischen alle Experten zur vorsorglichen Mitnahme aller eventuell benötigten Arzneimittel von zu Hause. Denn während in den Industrieländern das Fälschungsrisiko in der offiziellen Verteilerkette bei 1% liegt, beträgt es in Entwicklungsländern bis zu 90%, selbst wenn man die Präparate dort in Apotheken erwirbt! Mit einem 20- bis 30%igem Fälschungsrisiko kann man beispielsweise in Indien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Syrien rechnen. Eine Mitnahme aus sicheren heimischen Quellen ist deshalb ratsam. Am wenigsten anfällig gegen die temperatur- und luftdruckbedingten Belastungen im Flugzeug sind feste Darreichungsformen in Blisterpackungen. Das gilt aber nicht für Kapseln mit Flüssigfüllung!
Auch transdermale Pflaster wie z.B. Hormonpflaster oder Schmerzpflaster
nehmen bei extremen Temperaturbedingungen Schaden und biologische Arzneimittel – Insulin, Antikörper etc. – sind wegen ihrer Proteinnatur ebenfalls vor zu niedrigen und zu hohen Temperaturen zu schützen und im Handgepäck mitzuführen. Hingegen kann man Asthmasprays mit Treibgas problemlos im Koffer mitnehmen. Bei Pulverinhalatoren genügt das Einpacken in einen dichten Plastikbeutel, um das Eindringen von Kondenswasser zu verhindern. Wer flüssige Arzneimittel in die Kabine mitnehmen will, muss sich außerdem an das maximale Füllvolumen von 100 ml halten und die Flasche in einem durchsichtigen Plastikbeutel
verpacken. Bei lebensnotwendigen Arzneimitteln nimmt man am besten einen Vorrat mit und verteilt ihn auf die Gepäcksstücke, um bei Verlust
nicht völlig unversorgt da zu stehen. Um die richtige Auswahl der Präparate für Ihre Reiseapotheke zu treffen, berät Sie Ihr Apotheker dazu gerne!
Ihr Dr. Pröll