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Die allergische Rhinitis

Allergie … und die Nase rinnt!

Die Anlage für eine Allergie ist ererbt und somit leider nicht beeinflussbar. Wichtige Maßnahmen zur Verhinderung des Ausbruchs der Erkrankung sind eine 4- bis 6-monatige Stillzeit, die ­Meidung von Allergenen, soweit möglich, und die Meidung von Tabakrauch, sei es als aktiver oder passiver Raucher.
Pollen

Ist eine Allergie einmal ausgebrochen, so muss durch das Meiden des Allergens und eine konsequente Therapie verhindert werden, dass sich das Krankheitsbild verschlechtert. Es ist wissenschaftlich belegt, dass fast ein Drittel aller Patienten mit einem allergischen Schnupfen später Asthma entwickelt, wenn nicht ausreichend therapiert wird. Daher sollte jede Allergie genauestens diagnostiziert und anschließend entsprechend behandelt werden. Bei bestimmten Formen der Allergie sollte frühzeitig eine spezifische Immuntherapie, die »Allergieimpfung«, in Betracht gezogen werden.

Allergische Rhinitis
Das bei weitem häufigste Krankheitsbild bei Allergie ist der allergische Schnupfen (allergische Rhinitis, AR). Jeder fünfte Österreicher leidet an einem allergischen Schnupfen wie z.B. an einer Pollenallergie, im Volksmund auch »Heuschnupfen« genannt. Die Zahl der Erkrankten ist in den letzten Jahrzehnten nicht nur in Österreich, sondern auch EU- und weltweit deutlich angestiegen. Allergien sind immunologische Systemerkrankungen, bei denen es zu einer Abwehrreaktion gegen an sich ungefährliche Materialien, wie eben Pollen, tierische Proteine oder Produkte der Hausstaubmilbe, kommt.
Durch Einatmen gelangen die Allergene in den Respirationstrakt und führen dort zu einer Entzündung der Schleimhaut. Bei Kontakt des Allergens mit anderen Organen findet ebenfalls eine allergische Reaktion statt, so entstehen an der Haut typische Quaddeln (Urticae), was man sich bei der Diagnostik im Hauttest zunutze macht.

Leitsymptome und Folgeerkrankungen
Die erste Phase der allergischen Entzündung wird durch Histaminausschüttung im Körper verursacht. Die Spätphase der Entzündung ist durch ein dichtes Netz von Entzündungszellen charakterisiert. Leitsymptome der allergischen Rhinitis sind nasaler Juckreiz, Niesen und Sekretion in der frühen Phase, Schwellungen und blockierte Nasenatmung stehen in der Spätphase im Vordergrund. Charakteristisch ist auch die Augensymptomatik mit Rötung, Augenjucken und Bindehautentzündung. Häufig auftretende Folgekrankheiten der allergischen Rhinitis sind Mittelohrentzündungen (Otitis media), Entzündungen der Nasennebenhöhlen (Rhinosinusitis) und Asthma bronchiale. Neben der unangenehmen und oft schmerzhaften ­Nasen- und Augensymptomatik ist die eingeschränkte Lebensqualität für den Patienten besonders belastend, zumal diese oft mit Schlafstörungen und mangelnder Leistungsfähigkeit einhergeht.

Früh genug erkennen
Bei Verdacht auf eine allergische Rhinitis ist eine fachärztliche Abklärung durch einen speziell ausgebildeten Allergologen erforderlich. Nur so können auslösende Allergene erkannt und eine auf die individuellen Bedürfnisse des Patienten abgestimmte Therapie verordnet werden.
Der Allergietest besteht normalerweise aus einem einführenden ­Gespräch (Anamnese), einem Hauttest (Pricktest) und einer Blutun-t­ersuchung (IgE-Bestimmung). In Einzelfällen sind zusätzliche Testmethoden notwendig, um zu einer eindeutigen Diagnose zu kommen.

Nachhaltige Therapie
Wegen der starken Beeinträchtigung der Lebensqualität und des hohen Risikos für Asthma bronchiale ist die allergische Rhinitis immer nachhaltig zu therapieren. Idealerweise sollte eine Allergenkarenz eingehalten werden. Darüber hinaus ist eine intensive Information des Patienten die Basis für jegliche Allergenvermeidung.
Diese ist räumlich z.B. in Bezug auf eine Staubmilbensanierung und jahreszeitlich bedingt – z.B. bei einer Pollenexposition – jedoch nicht immer möglich.
Bis auf sehr leichte Verlaufsformen wird von Experten eine konsequente medikamentöse Dauertherapie empfohlen, um akute Verschlechterungen und zunehmende Krankheitsverläufe sowie einen Etagenwechsel in Richtung Asthma bronchiale – der gefürchtete »allergische Marsch« – zu vermeiden.

Therapiemöglich­keiten bei allergischer Rhinitis
Folgende Substanzklassen werden bei der ­allergischen Rhinitis empfohlen: Die aus­schließliche Therapie mit lokal wirksamen Antihistaminika (Nasensprays/Augentropfen) ist nur bei sehr leichten Formen angezeigt. Auch Cromone sind nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht ausreichend gut wirksam und daher nur in Ausnahme­fällen, etwa bei Schwangerschaft oder bei sehr jungen Kindern, zu verordnen. Orale Antihistaminika der neuesten Generation – auch als »Antiallergika« bezeichnet – sind die Medikamente der ersten Wahl bei allergischer Rhinitis. Die einmal tägliche Einnahme gilt als adäquate Basistherapie für alle Formen. Antiallergika werden insbesondere bei milden bis mittelschweren Verlaufsformen sowie bei intermittierender Symptomatik empfohlen. Sie neutralisieren die Wirkungen des im Rahmen der allergischen Reaktion freigesetzten Histamins und wirken entzündungshemmend. Im Gegensatz zu den früher gängigen Präparaten sind moderne Antiallergika praktisch frei von Nebenwirkungen, insbesondere von der typischen Müdigkeit, die ja bei älteren Antihistaminika regelmäßig auftrat.

So genannte topische Steroide, also cortisonhältige Nasensprays, werden heute als die wirksamsten Medikamente bei allergischer Rhinitis überhaupt angesehen. Sie gelten als Therapie der ersten Wahl bei Dauersymptomatik und bei nasaler Blockade und sind gut mit oralen Antiallergika kombinierbar. Topische Steroide sind gut verträglich. Sie werden praktisch nicht vom Körper aufgenommen und führen demzufolge auch nicht zu einer Beeinflussung des ­Cortisonspiegels im Körper. Sogar bei hoch dosierter Lokaltherapie sind keine Steroid-Nebenwirkungen – viele fürchten sich vor ­Cortison-Nebenwirkungen – auf den Gesamtorganismus zu er­warten. Gelegentliche Nebenwirkungen sind die Austrocknung der Nasenschleimhaut, die nach vorübergehendem Absetzen des ­Medikaments jedoch meist rasch abklingt.

Die»Impfkur« oder spezifische Immuntherapie ist eine Behandlung für spezielle Formen der Allergie. Die Behandlung ist eine Dauertherapie über 3 Jahre und kann in Form von Injektionen oder als Schluckimpfung, »sublinguale Immuntherapie«, durchgeführt werden. Sie ist bei Patienten, die an AR oder allergischem Asthma, ausgelöst durch Pollen oder Staubmilben leiden, ausgezeichnet wirksam, wie zahllose Studien belegen. Die Impfkur ist aber auch eine präventive Behandlung: Sie kann den natürlichen Verlauf der Erkrankung positiv beeinflussen, indem sie einer Ausweitung des Allergiespektrums entgegenwirkt.

Außerdem belegen kontrollierte Studien, dass nur die Impfbehandlung die Entwicklung von Asthma aus einer bestehenden aller­gischen Rhinitis zu verhindern vermag. Eben deswegen hat die WHO standardisierte Allergen-Therapieextrakte als »Vakzine«, ­­­also Impfstoffe eingestuft.

Ihr Dr. Pröll

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