Bloßer Husten oder mehr?
Husten als Leits ymptom Mit dem Beginn der Erkältungssaison stellt sich oft die Frage, ob die Erkältungsbeschwerden tatsächlich trivial sind oder ob sie eventuell mit einer ernsten Grunderkrankung in Beziehung stehen. Husten wird ganz allgemein mit dem Bronchialbereich und damit den unteren Atemwegen in Verbindung gebracht. Die Atemwege als »Landebahn« für Krankheitserreger Neben dem Lufttransport dienen die Atemwege der Filterung, Temperierung und Anfeuchtung der eingeatmeten Luft und sind dabei Krankheitserregern ausgesetzt. Die Atemwege beginnen im Nasenraum und enden in den nur millimetergroßen Alveolen in der Lunge. Auch wenn in obere und untere Atemwege differenziert wird, bilden sie trotzdem eine funktionelle Einheit. Das wird am Beispiel der respiratorischen Schleimhaut erkennbar, die die gesamten Atemwege auskleidet. Um diese spezialisierte Schleimhaut vor eingeatmeten Schmutzteilchen, Schadstoffen und Krankheitserreger zu schützen, stehen zwei unterschiedliche Systeme zur Verfügung. Reinigungssystem und Immunabwehr Erst das störungsfreie Zusammenspiel beider Schutzsysteme garantiert den Schutz der Schleimhaut in den Atemwegen: Einerseits werden Krankheitserreger aufgespürt und unschädlich gemacht; andererseits befördert das Reinigungssystem nach Art einer rund um die Uhr laufenden »Rolltreppe« Schmutzteilchen, Bakterien und Viren in Richtung Rachen, wo sie samt dem Schleim verschluckt und durch die Salzsäure im Magen vernichtet werden. Dazu ist eine spezielle Konsistenz des von der Schleimhaut gebildeten Sekretes Voraussetzung. Kommt es zu einer viralen oder bakteriellen Infektion, dann wird dieser Reinigungsvorgang empfindlich gestört. Beim Husten wird Schleim aus den Atemwegen entfernt. Der Schleimabtransport wird von den Flimmerzellen gewährleistet, die den Hauptteil der Schleimhaut in den Atemwegen bilden und zahlreiche Fortsätze (Zilien) tragen. Pro cm² stehen rund 100 Millionen solcher Zilien zur Verfügung, die als dichter »Rasen« erscheinen. Pro Minute erfolgen ca. 750 streng synchrone, peitschenschlagförmige Zilienschläge, die die Schleimschicht weiterbewegen. Dabei nimmt die Geschwindigkeit in Richtung Rachen zu und erreicht bis zu 14 mm/Min. Man kann sich vorstellen, dass virale oder bakterielle Infekte dieses komplexe System der bronchialen Reinigung leicht außer Tritt bringen können. Von trocken bis chronisch - Trockener Husten entsteht durch die viral/bakteriell bedingte Minderproduktion von Schleim. Nach zwei bis drei Tagen führt die Entzündung zu einer Schwächung des Zilienapparates.
- Schleimiger Husten wird durch die vermehrte Produktion von zähflüssigem, mukösen Schleim hervorgerufen. Vor allem die nur mehr schwache und unregelmäßige Zilienbewegung und die gestörte Schichtdicke der Schleimschichten lassen den Abtransport des Schleims zusammenbrechen. Er sammelt sich in den Bronchiallichtungen und kann nur mehr über den Hustenreflex entfernt werden.
- Postinfektiöser trockener Husten kann als Überreaktion der Schleimhaut nach einem Virusinfekt auftreten und nach Abklingen des eigentlichen Infektes noch wochenlang anhalten. Auslöser sind entzündungsbedingte Lücken in der Schleimhaut, wo Nervenendigungen und Druckrezeptoren verlaufen.
- Chronischer Husten ist eine Folge des Umbaues der Schleimhaut unter dem Einfluss einer chronischen Entzündung der Luftwege wie COPD, chronische Bronchitis oder Asthma bronchiale. Der irreversible Umbau der Schleimhaut lässt die bronchiale Reinigung zusammenbrechen. Speziell bei chronischer Bronchitis ballt sich der Schleim dann immer wieder zusammen, was zu Hüsteln und Husten führt.
Husten als Symptom Bei Säuglingen und Kleinkindern ist zu bedenken, dass die kindlichen Atemwege noch eng sind und bei Infektionen sehr rasch kritische Situationen entstehen können. Breitet sich z.B. eine meist virale Entzündung vom Hals Richtung Kehlkopf aus, so tritt neben bellendem Husten auch eine Schleimhautschwellung auf, die sich zu einem Pseudokrupp entwickeln kann – Diphterie wird als echter Krupp bezeichnet und hat die gleichen Symptome; die hohe Durchimpfungsrate macht sie aber zur Ausnahme. Das Kind hat akute Luftnot durch erschwertes Einatmen. Eine rasch verfügbare Sofortmaßnahme ist das Aufhängen von feuchten Leintüchern, um die Raumfeuchtigkeit zu steigern. Eine Alternative: Die Eltern setzen sich mit dem Kind ins Badezimmer und lassen durch die Dusche heißes Wasser ablaufen. Das lindert den Hustenreiz massiv. Eine ärztliche Befundung ersetzen die Maßnahmen aber nicht. Der Ort der Hustenauslösung beeinflusst die Atemverhältnisse und verrät sich dadurch. Einatemprobleme weisen auf Entzündungen - oder in der Luftröhre hin.
Ausatemschwierigkeiten deuten dagegen auf - eine obstruktive Bronchitis,
- oder auf Asthma bronchiale hin.
Hustende Kinder Kinder und Jugendliche können grundsätzlich mit Hustenmitteln in entsprechender Dosierung versorgt werden, außer - es treten auffällige Atemprobleme wie Pfeifen, Rasseln oder Keuchen auf,
- der Husten verstärkt sich bei körperlicher Belastung und das Kind hustet auch nachts (Asthmaäquivalent),
- das Kind beginnt spontan ohne vorhergehende Erkältungszeichen zu husten (Fremdkörpereinatmen?),
- es besteht Verdacht auf Pertussis, z.B. bei Schulkindern, die schon wochenlang regelmäßig husten. Das typische juchzende Keuchen beim Einatmen ist bei Säuglingen häufiger (Keuchhusten) als bei Klein- und Schulkindern. Vor allem im ersten Lebensjahr besteht ein hohes Komplikationsrisiko.
Hustende Erwachsene Die Frage nach dem Einatemvorgang gibt Auskunft über den Ort der Hustenauslösung: Bei Husten, der ursächlich in den oberen Atemwegen entsteht, atmet der Patient nur kurz ein und schon bricht ein Hustenanfall aus. Im Gegensatz dazu ist die Einatemzeit bei der akuten Bronchitis verlängert, bevor es zum Husten kommt. Der Patient atmet sichtlich tiefer ein, um besser husten zu können. Ein Hustenmittel kann eingesetzt werden, wenn folgende Fragen abgeklärt sind: Haben Sie zusätzlich Fieber, Schnupfen, Halsweh oder ein Krankheitsgefühl? Der gewöhnliche Husten tritt im Zusammenhang mit diesen Symptomen auf. - Wie lange husten Sie schon? Mehrwöchiger Husten ist atypisch und kann mit einem Arzneimittel (ACE-Hemmer), einer Herzschwäche (Husten im Liegen verstärkt), Verschlimmerung einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung, postinfektiösen Überempfindlichkeit der Schleimhaut im Atmungstrakt oder mit intensivem Rauchen in Verbindung stehen.
Laut Lungenfachärzten geht chronischer Husten zu 90% auf nur drei Ursachen zurück: »Post nasal drip«, Asthma bronchiale und reflektorischer Husten nach gastralem Reflux. Der Schleim, der aus dem Nasen- und Nebenhöhlenbereich unbemerkt in den Rachen abfließt, wird als »Post nasal drip« bezeichnet. - Wann husten Sie? Husten beim Zubettgehen deutet auf Daunen- oder Milbenallergie hin. Husten während der Nachtruhe – insbesondere zwischen 2 und 4 Uhr morgens – ist ein Hinweis auf Asthma, morgendlicher Husten tritt im Zusammenhang mit chronischer Bronchitis häufig auf.
Bei länger andauerndem Husten ist ein Arztbesuch angezeigt. Hustenmittel, die helfen Besprechen Sie mit Ihrem Apotheker die Symptome des Hustens sowie weitere Krankheitsanzeichen; unterschiedliche Wirkstoffe stehen bei der Wahl des Hustenmittels zur Verfügung: Der Wirkstoff »Dextromethorphan« wirkt zentral, indem er die Schwelle für den Hustenreiz erhöht. »Guaifenesin« fördert den Auswurf. »Acetylcystein« wird bei akuten Erkältungskrankheiten verwendet, die mit starker Schleimsekretion und erschwertem Abhusten einhergehen. Hat sich die Symptomatik innerhalb einer Woche nicht gebessert oder sogar noch verschlechtert, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Die kombinierte Anwendung mit einem Hustenblocker sollte zeitlich verschoben erfolgen. »Bromhexin« bewirkt eine Minderung der Viskosität des Bronchialsekretes und führt damit zum leichteren Abhusten und einer Abnahme der Hustenfrequenz. Nach einer kurzfristigen Zunahme der Auswurfmenge zu Behandlungsbeginn normalisiert sich diese sowohl in quantitativer als auch in qualitativer Hinsicht rasch im Verlauf der Therapie. »Ambroxol« löst den zähen Bronchialschleim von der Schleimhaut und fördert den Abtransport. »Ambroxol« übt außerdem einen positiven Einfluss auf das Funktionssystem der Lungenbläschen aus. Bei allen Produkten treten selten Unverträglichkeiten von Seiten des Magen-Darm-Traktes – deshalb Einnahme nach dem Essen – oder allergische Reaktionen auf. Extrakte des Efeublattes (Hedera helix) entwickeln sekretolytische, broncholytische und krampflösende Wirkungen. Rachen- oder Bronchialhusten? Bei der Auswahl der passenden Produkte ist die Lokalisation des Hustenreizes wichtig, denn die Erkältungsviren setzen sich primär an der Rachenschleimhaut und eventuell erst später in den tiefer gelegenen Atemwegen fest. - Wer im Zusammenhang mit Husten über ein kratziges Gefühl im Hals klagt, soll ein lokal wirkendes Präparat mehrmals täglich anwenden, vorzugsweise als Lutschpastille, Rachenspray oder Hustensaft.
Reizlindernd sind in diesem Zusammenhang »Ambroxol«, »Lidocain«, »Benzocain« sowie »Cetylpyridinium-/»Dequaliniumchlorid«, »Chlorhexidin« und »Hexedin«. - Fehlt die Rachenkomponente und wird von »unten« gehustet, sind Hustenstiller gefragt. Dann stehen perorale Arzneiformen im Vordergrund, die je nach Ihren Wünschen entweder chemisch-synthetischer (»Pentoxyverin«, »Dextromethorphan«) oder pflanzlicher (Spitzwegerich-, Eibisch-, Primel-, Sonnentau- und Efeuextrakte) Herkunft sind. Eine stärkere auswurffördernde Wirkung wird dem Efeuextrakt, »Ambroxol« und »Acetylcystein« zugesprochen.Fragen Sie dazu Ihren Apotheker!
Tipps von Ihrem Apotheker: Bei Husten wirken gute alte Hausmittel. Richtig inhalieren: Der Umgang mit heißem Wasser erfordert Vorsicht, weil beim Umstoßen des Topfes schwere Verbrühungen drohen. Daher sollte man den kochend heißen Wassertopf ins Wasch- oder Spülbecken stellen, wo nichts passieren kann. Der beste Zeitpunkt für eine Inhalation ist vor dem Zubettgehen. Inhalationen müssen nach gewissen Regeln ablaufen, um erfolgreich zu sein. Ein Kopfdampfbad soll jeweils 10 Minuten dauern und 2- bis 3-mal hintereinander wiederholt werden. Dazwischen kann man das Wasser wieder zum Kochen bringen. Ein Kochsalzzusatz von 1 gestrichenem Teelöffel auf 1 Liter Wasser ergibt eine ca. 0,5%ige Lösung. Mehr Kochsalz verstärkt nur die Schleimhautreizung. Achtung: Nur wenn das Wasser richtig aufwallt, wird Kochsalz mitgerissen und gelangt auch tatsächlich auf die Schleimhaut der Atemwege! Dampfinhalationen in Form des Kopfdampfbades verstärken thermisch die Durchblutung der Schleimhäute in Nase, Mund und Rachen, ohne die Bronchien zu erreichen – die Bronchien können nur mit Ultraschallverneblern erreicht werden! Tropft man 10 Minuten vor der beabsichtigten Inhalation Nasentropfen ein, so öffnet sie die verstopfte Nase und der Kontakt des Dampfes mit der Schleimhaut wird verbessert. Der Dampf wird durch die Nase ganz normal ein- und danach durch den Mund ausgeatmet. Falls sich Kinder unter dem Tuch beengt fühlen, sind Dampf-Inhalationsapparate mit einer Mund und Nase bedeckenden Atemmaske eine mögliche Alternative. Mehrere Tropfen ätherisches Öl von Thymian, Anis, Fenchel oder Eukalyptus (nicht bei kleinen Kindern) dienen als angenehme sekretolytische Zusätze, die im Gegensatz zum Wasserdampf bis in die Bronchien kommen. Ein nussgroßes Stück einer entsprechenden Erkältungssalbe erfüllt übrigens den gleichen Zweck. Feuchtwarme Brustwickel: Bei Bronchitis erleichtern feuchtwarme Brustwickel oder das Einreiben mit einer Erkältungssalbe die Entfernung von Schleim. Das Trinken von Erkältungstees sichert die empfohlene zusätzlich Aufnahme – mindestens 1 Liter! – von Flüssigkeit pro Tag. Ihr Dr. Pröll
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