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Bloß eine Sommergrippe ?

Fieber & Co.

Sich diese Frage zu stellen ist nicht ganz unberechtigt, da fiebrige Zustände im Sommer mit Abgeschlagenheit, Müdigkeit, Glieder- und Kopfschmerzen sowohl Zeichen einer Erkältung, als auch Indiz für eine Infektion mit ggf. gefährlichen Erregern sein können.

Ein »Badeschnupfen«Sommergrippe
Wenn während der Badesaison Kinder und Jugendliche mehr oder weniger starke Kopfschmerzen bekommen, die sich beim Vornüberbeugen verstärken und im Bereich der Stirn, des Kiefers oder der Schläfe lokalisiert sind, kann das auch die Folge einer bakteriellen – selten viralen – Entzündung der Nasenschleimhaut sein. Während Naturbäder weniger riskant erscheinen, sind vor allem hygienisch nicht entsprechend gewartete Schwimmbecken oder Whirlpools eine Infektionsquelle ersten Ranges. Gefährdet sind vor allem Kinder und Jugendliche, die sich lieber unter als über dem Wasser tummeln, das dadurch leicht in den Gehörgang oder in die Nase eindringen und dort eine bakterielle Infektion auslösen kann.

Am Beginn des »Badeschnupfens« steht die Störung des Allgemeinbefindens mit Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen, Fieber und ein Brennen und Wundgefühl im Nasen- und Nasenrachenraum. Dann können, aber müssen nicht, die Stadien der rinnenden Nase bis zum stockenden Schnupfen folgen. Die bakterielle Besiedlung ist durch die eitrig-schleimige Beschaffenheit des Nasensekrets erkennbar. Bei anatomisch zu engen Ausführungsgängen im Höhlensystem des knöchernen Schädels, führt die Entzündung der Nasenschleimhaut zum Verschluss der sonst durchlüfteten Höhlen und damit z.B. zu einer Stirnhöhlenentzündung (»Badesinusitis«). Ähnliche Auswirkungen kann der Druckwechsel im Flugzeug beim Landen haben (»Barosinusitis«). Wer also dazu neigt, dass sich ein gewöhnlicher Schnupfen auf die Stirnhöhlen »verschlägt«, soll mit dem Kopf lieber über dem Wasser bleiben.

Die Behandlung erfolgt mit abschwellenden Nasensprays – keine Nasentropfen kaufen, weil mit ihnen die Eingänge zu den Nebenhöhlen nicht erreicht werden – und der Einnahme von schleimabflussfördernden Medikamenten auf Pflanzenextraktbasis. Zur Schmerzstillung eignen sich für Kinder »Paracetamol« – je nach Alter als Tablette, Sirup oder Zäpfchen. Für Erwachsene steht »Acetylsalicylsäure« als probates Mittel zur Verfügung. Bleiben die Beschwerden länger als eine Woche unverändert bestehen oder nehmen sie zu, wird der Arzt ggf. ein geeignetes Antibiotkum verschreiben.

Man soll bloß nicht einen Schnupfen mit Allergie verwechseln, denn die Schwierigkeit durch die Nase Luft zu bekommen ist die gleiche. Fehlendes Fieber und das Jucken in den Augen sind jedoch deutliche Hinweise auf den so genannten »Heuschnupfen«.

Unklare fiebrige Zustände nach dem Urlaub im ausland
Ganz allgemein sollte es die Regel sein, dass jeder, der nach einem Aufenthalt in den Tropen plötzliche Gesundheitsprobleme bekommt, sich unverzüglich – vor allem bei fieberhaften Beschwerden – an den Hausarzt oder an ein Tropeninstitut wendet und bekannt gibt, wo er war, welche Vorbeugemaßnahmen er getroffen hat und ob Mitreisende dasselbe gesundheitliche Problem haben. Zwei charakteristische Erkrankungsbeispiele mit fieberhaftem Verlauf sind:
Malaria: Bei Reisen in Malariagebiete sollte man bedenken, dass auch eine noch so konsequent durchgeführte Malariaprophylaxe keinen absoluten Schutz bietet und dass die aufflammende »Malaria tropica« innerhalb eines Zeitraums von nur 48 Stunden (und weniger) akut lebensgefährlich werden kann. Wird hingegen eine Malaria rechtzeitig erkannt und behandelt, so verläuft sie in der Regel unproblematisch. Verpasst man hingegen den optimalen Zeitpunkt des Einschreitens, so kann die Malaria trotz Therapie tödlich enden. Das Zeitfenster zwischen ungefährlich und tödlich beträgt oft nur wenige Tage und sollte rasch genützt werden.
Dengue-Fieberepidemien: Sie sind heuer in mehreren Weltregionen ausgebrochen, wie z.B. in Puerto Rico, Martinique, Guadeloupe, Mexico und Niacaragua. Alle diese Länder leiden derzeit unter einem besonders heftigen Dengue-Fieber-Ausbruch. Allein in Puerto Rico traten ca. 500 Fälle pro Woche auf. Auch in der Dominikanischen Republik sind heuer schon 6.000 Fälle gemeldet worden und Costa Rica meldete beispielsweise heuer bereits mehr als 24.000 Dengue-Fälle. Die Verwendung von Repellents (Insektenschutzmittel) zur Stechmückenabwehr sind dringend anzuraten, weil es derzeit keine Schutzimpfung gegen Dengue-Fieber gibt.
Über Schutzimpfungen und sonstige Abwehrmaßnahmen gibt es in den Apotheken ein reisemedizinisches Beratungsservice, das besonders dann nützlich ist, wenn der Urlaub in exotische Länder führt. Mit einem stets aktuell gehaltenen Beratungsprogramm wird Ihnen dabei kompetente Auskunft geboten.


Ohrentzündung
Wie schon angedeutet, ist das Badevergnügen – insbesondere in Schwimmbädern – mit einem latenten Infektionsrisiko durch Bakterien und Pilze für den Nasenbereich und den Gehörgang verbunden. Man unterscheidet eine Infektion des äußeren Gehörganges (Otitis externa) und die klassische Mittelohrentzündung (Otitis media). Im ersten Fall führt die bakterielle Entzündung der Gehörgangshaut dazu, dass sie anschwillt. Verstärkt sich die Schwellung, so wird der Gehörgang verschlossen und durch den entstehenden Druck auf den Gehörgangknochen treten massive Schmerzen auf. Man spricht dann von einer »Badeotitis«. Ein einfacher Selbsttest besteht darin, am Ohrläppchen zu ziehen. Wenn der Schmerz dabei stärker wird, liegt eine »Otitis externa«, also eine Entzündung des äußeren Ohrbereiches vor. Bei der »Badeotitis« sind häufig beide Ohren betroffen. Vor Selbstbehandlungsversuchen sei gewarnt, weil schmerzlindernde Tabletten oft nicht ausreichend wirken. Vom HNO-Arzt wird in solchen Situationen ein lokal anzuwendendes Antibiotikum oder ein Kortisonpräparat in Tropfenform eingesetzt.

Im Falle der akuten Mittelohrentzündung, die häufig im Kindesalter zwischen 6 Monaten und 2 Jahren auftritt, wandern im Rahmen eines Infektes der oberen Atemwege Keime über den Nasen-Rachenraum ins Mittelohr ein. Das kann z.B. bei einer sommerlichen Erkältung der Fall sein. Ist die Durchlüftung des Mittelohres behindert (anatomisch bedingt, oder durch Schleimhautschwellung wegen eines chronischen Infektes) setzen sich die Bakterien fest und vermehren sich. Die Schmerzen verstärken sich in wenigen Stunden auf der betreffenden Kopfseite und lassen die Kinder weinerlich und unruhig werden. Während früher bei einer akuten Mittelohrentzündung vom Kinderarzt fast immer eine antibiotische Behandlung eingeleitet wurde, hält man sich heute damit zurück und setzt die stärkste Waffe gegen die Mikroben nur bei schlechtem Heilungsverlauf ein. Statt Antibiotika werden daher abschwellende Nasentropfen ärztlich empfohlen, was Eltern immer wieder wundert, weil ja das Kind Ohrenschmerzen hat. Doch das Abschwellen der Nasenschleimhäute ermöglicht wieder die Durchlüftung des Mittelohres und in vielen Fällen klingt der Infekt dann auch ohne Antibiotika ab. Unabhängig davon erfolgt eine Schmerzbekämpfung wie z.B. das dreimal tägliche Anlegen eines in heißem Wasser getränkten Baumwolltuches an das erkrankte Ohr. Man belässt den warmen Umschlag für jeweils 10 Minuten dort. Das lindert zusätzlich die Schmerzen. Reichen solche Maßnahmen nicht, so kann man spezielle Schmerzmittel für Kinder und in Kinderdosierung einsetzen. Vorbeugend gibt es Tropfen in Ihrer Apotheke, die man vor dem Schwimmen in die Ohren träufelt.

Ihr Dr. Pröll

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