Arzneipflanzen bei Schlaf- und Angststörungen, Depression und Demenz
Baldrian, Lavendel, Johanniskraut und Ginkgo biloba Neurologie und Psychiatrie sind nicht gerade die ureigensten Anwendungsbereiche von pflanzlichen Arzneimitteln. Dennoch ist ihr Einsatz – vor allem in Anbetracht fehlender Alternativen – bei einigen dieser Erkrankungen durchaus angebracht. Als volkstümliche Mittel bei Unruhe und Schlaflosigkeit werden häufig Zubereitungen aus Passionsblumenkraut, Hopfenzapfen, Melissenblättern und Baldrianwurzel angewendet. Die Wissenschaft hat deren Wirksamkeit und Unbedenklichkeit bestätigt. Zubereitungen aus der Wurzel des europäischen Baldrians gehören zu den populärsten pflanzlichen Arzneimitteln überhaupt. Es liegen dennoch nur 10 kontrollierte klinische Studien vor, davon 4 bei Patienten mit Schlafstörungen. Die aussagekräftigste dieser Studien hat gezeigt, dass sich bei Patienten mit Schlaflosigkeit die Therapie mit einem geeigneten Baldrian-Präparat in ausreichender Dosierung mit 600mg Wirkstoff, etwa 2 bis 3 Stunden vor dem Zubettgehen eingenommen nach 2 bis 4 Wochen sehr positiv auf die Schlafqualität und somit auf die Tagesbefindlichkeit auswirkt. ANGSTSTÖRUNGEN Nervöse Angst-, Spannungs- und Erregungszustände können mit Lavendelblüten – resp. dem daraus gewonnene Lavendelöl – behandelt werden. Lavendel und daraus hergestellte Zubereitungen galten bisher in den meisten Ländern als »traditionelles« Beruhigungsmittel. 3 kontrollierte Studien belegten jetzt zusätzlich auch eine Wirksamkeit bei Angststörungen. DEPRESSIVE VERSTIMMUNGEN Die Behandlung der »Melancholie« mit Johanniskraut wurde bereits in der antiken und mittelalterlichen Arzneikunde empfohlen. Seine Wirkung bei psychovegetativen Störungen – depressive Verstimmungszustände –, Angst oder nervöse Unruhe wurde durch viele wissenschaftliche Studien belegt. Bei der Mehrzahl der Studien ergab die Auswertung Gleichstände der Wirksamkeit von Johanniskraut in ausreichender Dosierung und Antidepressiva. Unerwünschte Wirkungen wurden jedoch unter Johanniskraut viel seltener berichtet. Der Verträglichkeit der Wirkstoffe kommt als Auswahl-Kriterium für die Behandlung eine große Bedeutung zu. Die Häufigkeit unerwünschter Wirkungen liegt – gemessen an den Befunden von Anwendungsbeobachtungen – bei Johanniskraut-Präparaten um den Faktor 5 bis 10 niedriger als bei synthetischen Antidepressiva. Dessen ungeachtet können mit Johanniskraut in seltenen Fällen ernste Nebenwirkungen auftreten, die insbesondere auf Beschleunigungen der Ausscheidung bestimmter Arzneistoffe aus dem Körper zurückgeführt werden. Die gleichzeitige Einnahme von Immunsuppressiva, Blutverdünnern oder von AIDS-Mitteln sollte vermieden werden. Bei der gleichzeitigen Einnahme niedrig dosierter Kontrazeptiva – so genannte »Mikropille« – ist eine Beeinträchtigung des Konzeptionsschutzes nicht auszu - schließen. Photosensibilisierungen, d. h. Empfindlichkeiten gegen Sonneneinstrahlung sind dagegen weniger oft aufgetreten als lange Zeit angenommen wurde. DEMENZ Zur Behandlung von hirnorganisch bedingten Störungen bei dementiellen Syndromen sind Spezial extrakte aus Blättern von Ginkgo biloba (GBE) zugelassen. Ginkgo biloba kann als Teil einer intensiven Behandlung und Betreuung eingesetzt werden, zumal es noch keine ursächlichen Therapien der Demenz gibt, die Krankheit selbst also nicht behandelt werden kann. Ginkgo zeigte sich gut verträglich, ohne relevante Nebenwirkungen. Ihr Dr. Pröll
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